Der Mensch nutzt seit Urzeiten die Natur als Apotheke: Bestimmte Substanzen und vor allem Heilkräuter können bekanntlich bei vielen unterschiedlichen Gesundheitsproblemen günstige Wirkungen entfalten. Doch nicht nur der Mensch macht sich das pharmakologische Potenzial zunutze, geht bereits aus Studien hervor. Instinktiv oder auf der Grundlage von positiven Erfahrungen betreiben auch manche Tiere eine sogenannte Selbstmedikation. Um Wunden oder Erkrankungen zu bekämpfen, werden dabei spezielle Substanzen aufgenommen oder angewendet, wie etwa bestimmte Pflanzenteile.
Formen dieser Selbstmedikation wurden bisher vor allem bei Primaten beobachtet – aber auch bereits bei Vertretern anderer Tiergruppen. Bei den Vögeln galten neben den Papageien bereits die Großtrappen (Otis tarda) als mögliche Selbstbehandler. Mit einem Gewicht von bis zu 16 Kilogramm zählen sie zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Bekannt ist die Großtrappe zudem für das aufwendige Balzverhalten, mit dem die Männchen die deutlich kleineren Weibchen auf speziellen „Tanzplätzen“ für sich gewinnen wollen. Neben vielen Show-Elementen präsentieren sie den Weibchen dabei auch ihre Kloake. Man nimmt an, dass sie damit zeigen, inwieweit sie frei von möglicherweise sexuell übertragbaren Krankheiten sind, die sich in fäkalen Verschmutzungen widerspiegeln können.
Medizinische Anwendungen?
Eine frühere Studie ließ bereits vermuten, dass die Männchen ihren Zustand möglicherweise durch eine Form der Selbstmedikation verbessern: Es zeichnete sich ab, dass sie vor allem in der Balzzeit spezielle Käfer fressen, die Wirkstoffe enthalten, die parasitische Würmer unterdrücken können. In der aktuellen Studie sind die Forscher um Luis Bautista-Sopelana vom Nationalmuseum für Naturwissenschaften in Madrid nun der Frage nachgegangen, ob sich dieses Muster auch im Verzehr von Pflanzen widerspiegelt. Sie untersuchten dazu die Exkremente von weiblichen und männlichen Großtrappen in Spanien zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Unter dem Mikroskop zählten sie dabei die Menge der pflanzlichen Überreste der 90 Pflanzenarten aus, die auf dem Speiseplan der Trappen stehen.
Wie die Forscher berichten, gab es bei zwei Gewächsen auffällige Resultate: Klatschmohn (Papaver rhoeas) und Wegerich-Natternkopf (Echium plantagineum) wurden von den Vögeln häufiger gefressen, als es aufgrund ihres Vorkommens zu erwarten wäre. Außerdem zeichnete sich eine spezielle Zeit des hohen Verzehrs ab sowie ein geschlechtsspezifischer Unterschied: “Großtrappen wählen Klatschmohn und Natternkopf vor allem in der Paarungszeit im April aus. Und die Männchen, die in diesen Monaten viel Aufwand für die sexuelle Zurschaustellung betreiben, bevorzugen sie mehr als die Weibchen”, berichtet Bautista-Sopelana. Die beiden Pflanzen haben zwar einen ernährungsphysiologischen Wert, doch normalerweise werden sie etwa von Rindern eher gemieden. Ein weiterer Aspekt weckte besonders das Interesse der Forscher: Beide Pflanzen kommen in der traditionellen Medizin zum Einsatz und gelten unter anderem als immunstärkend.





