Ein in Selbstbräunern verwendeter Inhaltsstoff könnte demnächst auch nach Operationen zum Einsatz kommen: US-Forscher haben in einer Studie nachgewiesen, dass das Kohlenhydrat namens Dihydroxyaceton auch als vielversprechender Wirkstoff zur besseren Ausheilung von Operationsnarben geeignet ist. Bislang wird es vor allem in Bräunungscremes eingesetzt, wo es durch Reaktion mit Aminosäuren der Haut eine bräunliche Färbung erzielt. Nun haben die Forscher aus dem Stoff jedoch auch ein Gel hergestellt, das effektiv Wunden verschließt. Zudem kommt Dihydroxyaceton auch im menschlichen Körper vor. Daher sei der Klebstoff gut verträglich und schnell abbaubar, berichten die Wissenschaftler um Jason Spector vom Weill Cornell Medical Center in New York.
Chirurgische Eingriffe, wie beispielsweise das Entfernen von Brustkrebsgewebe, hinterlassen oft Hohlräume, die sich mit Wundflüssigkeit füllen. Diese sogenannten Serome müssen mit Hilfe einer künstlichen Drainage entfernt werden. Ein unangenehmer Nebeneffekt von Operationen, der aber oftmals unvermeidlich ist. Abhilfe sollen sogenannte Bio-Klebstoffe schaffen, natürliche Wundverschlüsse, die Wunden schneller heilen lassen, weniger Narben verursachen und die Bildung von Seromen verhindern. Bisherige Wirkstoffe werden aus tierischen Produkten erzeugt und sind sehr schwer vom Körper abbaubar, daher erhöhen sie das Infektionsrisiko für den Patienten.
Der von Spector und seinen Kollegen untersuchte Wirkstoff ist jedoch gut verträglich, denn der menschliche Organismus stellt diese Verbindung selbst her. Dihydroxyaceton ? kurz DHA ? ist ein Zwischenprodukt der Verstoffwechselung von Glukose, dem Energielieferanten der Zellen. DHA ist wasserlöslich und biologisch schnell abbaubar. Nach Ansicht der Forscher ist der Wirkstoff daher perfekt für eine Anwendung am und im Körper geeignet. Bekannt sind die besonderen Eigenschaften des Kohlenhydrats von Selbstbräunern: Aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung heftet es sich an Proteine auf der Hautoberfläche und führt zu braunen Reaktionsprodukten. Als Gel hat der Wirkstoff die Fähigkeit, Wunden schnell zu verschließen und so das Auffüllen der Operationswunde mit Serom-Flüssigkeit zu verhindern. Ein weiterer Inhaltsstoff sorgt dafür, dass sich das klebrige Gel nicht schon vorher verfestigt.
Die Wissenschaftler konnten in Versuchen mit Ratten bereits nachweisen, dass die Bildung von Seromen in den meisten Fällen verhindert wurde. Als nächsten Schritt will Spector den Klebstoff zunächst an größeren Tieren und danach in klinischen Versuchen an Menschen testen. Die Forscher hoffen, das Gel zukünftig als eine Art inneres Heftpflaster in vielen Bereichen einsetzen zu können, von der kosmetischen Chirurgie bis hin zur Entfernung von Tumorgewebe.
Jason Spector (Weill Cornell Medical Center, New York) et al.: PNAS, Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.0811529107 ddp/wissenschaft.de ? Gwydion Brennan