Durch den Klimawandel verschieben sich Klimamuster weltweit. Die Temperaturen und die dadurch gebildeten Klimazonen verschieben sich, gleichzeitig kommt es zu einer Verstärkung der Extreme: Dürren und Starkregen werden häufiger und intensiver. In Regionen mit ausgeprägter saisonaler Schwankung, beispielsweise in Form von Trocken- und Regenzeiten, wirkt sich der Klimawandel dabei je nach Gebiet unterschiedlich aus: In einigen Regionen werden die saisonalen Unterschiede stärker und dadurch werden die Trockenzeiten intensiver und die Regenzeiten stärker. In anderen dagegen schwächen sich die Unterschiede ab. In beiden Fällen erfordert dies eine Anpassung der Natur an diese Veränderungen.
Mausmakis im Blick
Wie gut dies gelingt, haben Arpat Ozgul von der Universität Zürich und seine Kollegen am Beispiel der Mausmakis auf Madagaskar untersucht. Klimadaten zeigen, dass dort die Regenzeit in den letzten 30 Jahren immer trockener und die eher kühle Trockenzeit immer wärmer wurde. Für die auf Madagaskar heimischen Lemuren – eine der bedrohtesten Säugetiergruppen weltweit – bedeutet dies eine Umstellung. Gängiger Theorie nach haben vor allem langlebige Tiere mit einer geringen Fortpflanzungsrate Schwierigkeiten, sich an Umweltveränderungen anzupassen. Kleine Säugetiere mit einer hohen Fortpflanzungsrate gelten dagegen als relativ anpassungsfähig und wurden daher im Zusammenhang mit Klimaveränderungen bislang kaum erforscht.
Deshalb hat das Forschungsteam nun eine Primatenart untersucht, die eine hohe Fortpflanzungsrate aufweist: die Grauen Mausmakis (Microcebus murinus). Diese nur rund 60 Gramm schweren und 15 Zentimeter großen Lemuren fressen je nach Verfügbarkeit Früchte, Blüten und Insekten und überdauern die kühle, nahrungsarme Trockenzeit oft in einer Art Winterruhe. In der etwa fünfmonatigen Regenzeit können Mausmakiweibchen je nach Klima und Nahrung ein- bis zweimal mehrere Junge bekommen. Im Vergleich zu größeren Lemurenarten gelten sie daher als Primaten mit einer hohen Fortpflanzungsrate. Durch Forschende des Deutschen Primatenzentrums werden die Mausmaki-Populationen von Madagaskars schon seit 1994 überwacht und erforscht.
Große Populationsschwankungen trotz Anpassung
Für ihre Studie haben nun Ozgul und seine Kollegen vom Deutschen Primatenzentrum Daten aus 26 Jahren zusammengetragen, um Veränderungen der Mausmaki-Altersstruktur und -Populationen in Reaktion auf das sich verändernde Klima zu erfassen. Es zeigte sich: Die kleinen Lemuren haben zwar in dieser Zeit ihre Fortpflanzungsrate leicht erhöht, gleichzeitig ist aber auch die Sterblichkeit gestiegen. „Diese gegensätzlichen Trends haben zwar einen Zusammenbruch der Mausmaki-Population verhindert, aber dennoch zu einer Destabilisierung der Population geführt, da der sowieso schon schnelle Lebenszyklus der Tiere weiter beschleunigt wurde“, sagt Co-Autorin Claudia Fichtel vom Deutschen Primatenzentrum. Gleichzeitig haben sich aber die Populationsschwankungen stark erhöht.





