Viele Tiere sind kaum zu überhören, doch die akustische Kommunikation ist noch deutlich weiter verbreitet, als man meinen könnte: Während einige tatsächlich als stumm gelten, geben viele eher still wirkende Reptilien, Amphibien und andere Vertreter der Wirbeltiere durchaus in bestimmten Situationen Laute von sich. Die akustischen Signale spielen dabei unterschiedliche Rollen: Sie können etwa der Partnersuche, der elterlichen Fürsorge oder als Warnsignal dienen. Trotz ihrer Bedeutung ist allerdings wenig darüber bekannt, wann und in welchem Stadium der Evolutionsgeschichte diese Konzepte erstmals bei den sogenannten Choanata aufgetreten sind. Dieser Begriff schließt neben den Landwirbeltieren auch die Vertreter der Lungenfische mit ein.
Wann ertönten erstmals Laute?
Zu den evolutionären Ursprüngen der Lautkommunikation bei den Choanata gibt es zwei Erklärungsansätze: Zum einen scheinen parallele Entwicklungen möglich. Dabei werden die teils deutlichen Unterschiede zwischen den Strukturen des Hörapparats sowie des Vokaltrakts als Hinweis betrachtet, dass sich die akustische Kommunikation mehrfach und unabhängig voneinander in verschiedenen Tiergruppen entwickelt hat. Die alternative Hypothese besagt dagegen, dass die akustische Kommunikation einen alten gemeinsamen Ursprung besitzt. Dafür sprechen wiederum manche morphologische und neuronale Gemeinsamkeiten und auch, dass bei den Choanata stets das Lungen-Atmungssystem die physische Quelle für die verschiedenen Lauterzeugungs-Konzepte bildet.
Eine Ursache für das bisher unklare Bild von der Entwicklungsgeschichte war, dass Informationen über die Lautkommunikation bei einigen Schlüsseltiergruppen fehlten, sagen die Wissenschaftler um Gabriel Jorgewich-Cohen von der Universität Zürich. In vergleichenden Analysen zeichneten sich deshalb keine deutlichen Hinweise über die evolutionären Wurzeln der akustischen Kommunikation ab. Deshalb hat das Team nun für neue Datengrundlagen gesorgt. Sie hörten dazu Tierarten gezielt zu, die bisher noch nie akustisch untersucht wurden. Durch Aufzeichnungen der Laute und Informationen zum jeweiligen Verhalten von 53 Arten konnten die Forscher das Wissen über die Lautkommunikations-Fähigkeiten der Choanata nun entscheidend bereichern. Diese Tiere gehörten dabei zu den Gruppen der Schildkröten, Brückenechsen, Schleichenlurche und Lungenfische. Außerdem führte das Team eine Recherche in der wissenschaftlichen Literatur durch, um weitere Tierarten aus dem gesamten Spektrum systematisch zu erfassen, bei denen Lautäußerungen festgestellt wurden.
Ursprung vor über 400 Millionen Jahren
Die Untersuchungen ergaben: „Wir konnten weiter verdeutlichen, dass akustische Kommunikation bei Landwirbeltieren nicht nur weit verbreitet ist, sondern weisen solche Fähigkeiten auch in mehreren Gruppen nach, die bisher als nicht-vokal angesehen wurden“, sagt Jorgewich-Cohen. Unter anderem besitzen beispielsweise viele Schildkrötenarten, von denen man bisher annahm, sie seien stumm, in Wirklichkeit ein breites und komplexes akustisches Repertoire, berichten die Wissenschaftler.





