Unser Gehirn macht sich ein Bild von der Welt, selbst wenn wir die Augen geschlossen haben. Die zentrale Sehrinde am Hinterkopf scheint dabei aus sich selbst heraus elektrische Aktivitäten hervorzubringen, wie sie normalerweise von geöffneten Augen ausgelöst werden. Das legen zumindest Versuche an Katzen nahe, über die Forscher im Fachmagazin Nature berichten (Ausg. 425, S. 954).
Die Wissenschaftler um Tal Kenet vom israelischen Weizmann-Institut in Rehovot haben die Sehrinde am Hinterkopf von Katzen unter Narkose mit einem Mittel angefärbt, das gesteigerte Aktivitäten der Nervenzellen sichtbar macht. Anschließende Analysen unter dem Mikroskop ergaben, dass die Sehrinde selbst bei einer narkotisierten Katze eine geordnete elektrische Aktivität zeigt, als wenn das Tier gerade einen Gegenstand anschaut.
Die Regungen in der Sehrinde werden nicht von Träumen ausgelöst, betonen die Forscher. Geträumt wird normalerweise in anderen Hirnregionen. Warum die Sehrinde auch bei geschlossenen Augen aktiv ist, können die Forscher jedoch nicht erklären. Vielleicht wird die Sehrinde von anderen Arealen des Gehirns angeregt oder die Nervenzellen bereiten sich schon mal auf das baldige Öffnen der Augen vor.
ddp/bdw ? Andreas Wawrzinek





