Zahlreiche Menschen, die durch eine Hirnverletzung teilweise erblindet sind, können mit einem neuen Training ihre Wahrnehmung deutlich verbessern. An der Universität Düsseldorf hat die Professorin Petra Stoerig eine Methode zum so genannten “Blindsehen” entwickelt, die am Dienstag vorgestellt wurde. Mehrere Kliniken hätten daran bereits Interesse bekundet.
Das Training richtet sich an etwa zehn Prozent der Patienten, die durch einen Schlaganfall oder Unfall einen Teil ihrer Sehfähigkeit eingebüßt haben. Sie können Dinge dennoch unbewusst erkennen, die ihrem Bewusstsein verborgen bleiben.
Um die unbewussten Informationen besser zu verarbeiten, werden die Patienten vor eine Halbkugel mit rund 200 Lampen gesetzt. Leuchtet eine Lampe auf, erklingt gleichzeitig ein Ton aus anderer Richtung. Der Patient muss die aufleuchtende Lampe berühren, damit der Ton verstummt.
Nach einer gewissen Trainingszeit liege die Trefferzahl weit über der Zufallsquote, berichtete die Medizinerin und Psychologin. Die Patienten könnten sich dadurch im Alltag wesentlich besser orientieren. Besonders bewegliche Objekte wie Fahrradfahrer oder Autos könnten so wieder sehr gut wahrgenommen werden. “Tests der Gehirnströme unterstreichen die Forschungsergebnisse”, sagte Stoerig.
Die Methode funktioniere nicht bei Menschen, deren Sehnerv zerstört sei, sondern nur bei so genannter Rindenblindheit. Bei ihr ist die für das bewusste Sehen zuständige Hirnregion zerstört, die visuellen Informationen werden aber vom Auge in die unterbewussten Hirnareale transportiert.
dpa





