Sie gelten als die aquatischen Pendants zu den Urwäldern an Land: Kolonien von großen Braunalgen (Laminariales) bilden vor allem an den Pazifikküsten der gemäßigten Klimazonen die Grundlage artenreicher Ökosysteme. Es handelt sich bei diesen Organismen um sogenannte Makroalgen, die ähnlich wie die höheren Landpflanzen komplexe Strukturen ausbilden. Sie verankern sich am Grund mit wurzelartigen Strukturen und wachsen dann üppig verzweigt und durch Auftriebsorgane getragen, viele Meter hoch bis zur Wasseroberfläche. Besonders berühmt und bedeutend sind die Kelp-Wälder vor der Westküste Nordamerikas, die vielen Arten von wirbellosen Tieren, Fischen, Meeressäugern und Seevögeln eine Lebensgrundlage bieten.
Doch seit wann gibt es diese „Meeres-Urwälder“? Trotz ihrer Bedeutung ist ihr evolutionärer Ursprung aus Mangel an fossilen Überresten unklar geblieben. Als ältester bekannter Nachweis galt bisher ein Kelp-Fossil, das auf ein Alter von 14 Millionen Jahren datiert wurde. Dazu schienen auch Fossilien von Tieren aus dieser Zeit zu passen, die mit den Kelp-Wäldern assoziiert werden, wie etwa Tang-fressenden Seekühe. „Weil die mit dem modernen Kelp-Wald verbundenen Organismen noch nicht da waren, dominierte die Ansicht, dass es auch die großen Braunalgen vor der Zeit vor 14 Millionen Jahren noch nicht gegeben hat“, sagt Seniorautorin Cindy Looy von der University of California in Berkeley. Doch nun ändern neue Fossilienfunde das Bild von der Entwicklungsgeschichte der Tang-Wälder.
Entdeckung eines Amateur-Fossiliensammlers
Zu verdanken sind sie dem US-amerikanischen Amateur-Fossiliensammler James Goedert. Bei einem Spaziergang an einem Strand der Olympic-Halbinsel des im US-Bundesstaates Washington entdeckte er steinerne Knollen, die sein Interesse weckten. Als er sie anschließend aufbrach, entdeckte er Strukturen, die ihn an die Tang-Arten der benachbarten Küstengewässer erinnerten. Anschließend wandte er sich an Experten und so begann die wissenschaftliche Untersuchungsgeschichte der Kelp-Fossilien.
Zunächst bestätigten die UntersuchungenAnalysen der Strukturen und die Analysen unter anderem mittels 3D-Röntgenscans, dass es sich tatsächlich um die fossilen Überreste der wurzelartigen Gebilde handelt, mit denen sich auch heute noch die großen Tang-Arten an harten Unterlagen befestigen. Konkret zeigte sich, dass sich diese Gewächse einst an Muschelstrukturen verankert hatten, die im felsigen Untergrund saßen. Wann das war, verdeutlichten anschließend die Ergebnisse einer Datierung anhand von Strontium-Isotopen-Verhältnissen. Demnach stammen die Kelp-Fossilien aus der Zeit vor 32,1 Millionen Jahren – der Mitte des Känozoikums, das von vor 66 Millionen Jahren bis in die Gegenwart reicht.





