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Seetang als unterschätzter Kohlenstoffspeicher
Erde & Umwelt

Seetang als unterschätzter Kohlenstoffspeicher

Seetangwälder im Nordpolarmeer könnten eine deutlich größere Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf spielen als bislang angenommen, wie eine Studie aus dem Meer vor Grönland zeigt. Demnach tragen Ozeanströmungen und winterliche Durchmischungsprozesse dazu bei, den im Tang gebundenen Kohlenstoff dauerhaft in die…
Autor
Carolin Malmendier
30. Januar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Obwohl die Wissenschaft schon lange weiß, dass Seetang sehr schnell wächst und große Mengen Kohlendioxid bindet, war es bisher schwierig, seinen Beitrag zur Kohlenstoffbindung genau zu quantifizieren. Anders als bei Seegras, Mangroven oder Salzwiesen bleibt der Kohlenstoff beim Tang nicht direkt dort, wo er wächst – also im Boden oder in den Pflanzen selbst. Seetang wächst an felsigen Küsten, wo sich organisches Material nicht dauerhaft ablagern kann. Abgerissene Pflanzenteile treiben stattdessen durchs Meer und legen oft lange Strecken zurück, bevor sie gefressen werden, sich zersetzen oder schließlich in der Tiefe des Ozeans landen.

Auf der Spur des Tangs

Ein internationales Forschungsteam um Daniel Carlson vom Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht hat sich nun genau dieser Frage angenommen. Mit einer Kombination aus Beobachtungsdaten und Modellierungen konnten die Forschenden erstmals nachvollziehen, was mit dem Kohlenstoff aus dem Seetang tatsächlich passiert. Um den Tang zu untersuchen, nutzte das Forschungsteam Südwestgrönland als Testgebiet. Laut Schätzung einer Studie von 2024 exportiert diese Region jährlich fast eine Million Tonnen Kohlenstoff in Form von Seetang und liegt damit weltweit auf Platz 20 des potenziellen Exports von Makroalgenkohlenstoff in den offenen Ozean.

Mithilfe von 305 mit GPS-Trackern ausgestatteten Oberflächen-Drivern überprüften Carlson und seine Kollegen bisherige Annahmen darüber, wie lange Seetang im Untersuchungsgebiet bleibt. Das Ergebnis: Während man bislang davon ausging, dass der Tang dort mehrere Monate treibt, zeigen die neuen Daten ein deutlich anderes Bild: Eine besonders schnelle „Express“-Strömung transportiert den Tang im Durchschnitt schon nach gut zwölf Tagen ins offene Meer. Das geschieht also in einem Zeitraum, in dem die Pflanzen noch weitgehend intakt sind und weder gefressen noch zersetzt wurden.

„Unsere Forschung kann nun erstmals belegen, dass der Kohlenstoff des Grönland-Tangs durch eine Kette bestimmter Ereignisse effektiv vom Recycling ausgeschlossen wird”, berichtet Carlson. Dazu gehören ein schneller, strömungsbedingter Offshore-Transport, gefolgt von einem effizienten Übergang vom oberflächennahen Treiben zum Herabsinken.

Ein natürlicher Transportmechanismus in die Tiefe

Die spannendste Entdeckung der Studie hängt mit Prozessen in der Labradorsee zusammen. Dort sorgen kräftige Winterstürme dafür, dass sich das Wasser stark durchmischt. Dabei entstehen abwärts gerichtete Strömungen, die wie eine Art natürliche Pumpe wirken. Das ist der sogenannte „alternierenden Turbulenzpumpeneffekt”. Die Strömungen können Teile des schwimmenden Seetangs mit nach unten ziehen – mit Geschwindigkeiten von bis zu neun Metern pro Minute.

Wird der Tang dabei in Tiefen von etwa 120 bis 130 Metern gedrückt, verlieren seine gasgefüllten Blasen durch den hohen Wasserdruck ihren Auftrieb. Dieser Effekt lässt sich nicht rückgängig machen: Der Tang sinkt weiter ab und gelangt schließlich auf den Tiefseeboden, möglicherweise in mehr als 2.000 Meter Tiefe. Dort wird das kohlenstoffreiche Material nur sehr langsam oder gar nicht zersetzt.

„Da der Klimawandel zum Rückgang des arktischen Meereises führt, sagen Modelle voraus, dass sich die Verbreitung von Seetang nicht nur in Grönland, sondern auch in der gesamten Arktis ausweiten wird. Unsere Studie liefert eine wertvolle Blaupause für weitere Untersuchungen, um auch in anderen Küstenregionen die Rolle von Tang im Kohlenstoffkreislauf des Ozeans genau zu quantifizieren“, sagt Carlson.

Quelle: Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde; Fachartikel: Science of the Total Environment, doi: 10.1016/j.scitotenv.2025.181247

GrönlandKohlenstoffNordpolarmeerOzeanSeetang

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