Ihr niedliches Aussehen und der Werkzeuggebrauch haben sie berühmt gemacht: Seeotter nutzen Steine, um auf dem Rücken schwimmend harte Beutetiere wie Muscheln auf ihrem Bauch zu öffnen. Außerdem sind sie für ihre tragische Geschichte – allerdings mit positivem Ausgang – bekannt: Die im Nordpazifik einst weit verbreiteten Pelztiere wurden im 18. und 19. Jahrhundert wegen ihres Fells bis an den Rand der Ausrottung gejagt. Gerade noch rechtzeitig wurden die kleinen Restbestände dann geschützt und so konnten sich die Seeotter vor allem seit den 1970er Jahren wieder in einigen Bereichen der nordamerikanischen Pazifikküste ausbreiten.
Die Rückkehr sorgt für Vor- und Nachteile
Doch das Comeback der kleinen Räuber stieß nicht nur auf Begeisterung. Durch ihren Appetit auf Seeigel, Muscheln und Krebse kam es zu Konflikten mit Küstengemeinden und Fischern, für die diese Meerestiere eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Klar ist allerdings auch, dass die Seeotter auf der anderen Seite für ein gesünderes Ökosystem im Meer sorgen. Indem sie die Seeigel in Schach halten, begünstigen sie vor allem das Wachstum der Kelpwälder, die vielen Lebewesen als Lebensraum dienen. Dadurch können letztlich die Erträge beim Fischfang steigen und es kommt zu einer klimafreundlichen Kohlenstoffspeicherung in der Biomasse. Und nicht zuletzt ist der Seeotter auch ein Motor des Tourismus in der Region, wie kürzlich eine Studie aufgezeigt hat. Es werden beispielsweise Bootstouren zu den zutraulichen Tieren organisiert, sie stehen Modell für Plüschtiere, erscheinen auf T-Shirts und Postkarten sowie vielen weiteren Souvenirs.
Vor diesem Hintergrund hat nun ein Forscherteam um Edward Gregr von der University of British Columbia in Vancouver Bilanz gezogen: Sie haben exemplarisch für Vancouver Island eine regionale Wirtschaftsanalyse der Kosten und Nutzen der Wiederansiedlung des Seeotters an der Westküste Kanadas durchgeführt. Für die Analyse kombinierten die Forscher Ergebnisse von lokalen ökologischen Feldstudien mit verfügbaren Wirtschaftsdaten und den Ergebnissen der Tourismus-Studie.
Unterm Strich ein Plus
“Aus unseren Ergebnissen geht hervor, dass Küstenökosysteme, in denen Otter vorkommen, um fast 40 Prozent produktiver sind als ohne diese Raubtiere. Langfristig bedeutet das höhere Fischfänge im Wert von neun Millionen kanadischen Dollar, Kohlenstoffspeicherung im Wert von zwei Millionen Dollar und ein touristisches Potenzial im Wert von 42 Millionen Dollar pro Jahr”, berichtet der Wissenschaftler. Die wirtschaftlichen Vorteile der Rückkehr der Seeotter könnten die kommerziellen Verluste der Krebs-, Seeigel- und Muschelfischerei in der Region um sieben Millionen kanadische Dollar (etwa 4,6 Millionen Euro) pro Jahr übertreffen, so das Fazit der Kosten-Nutzen-Analyse.





