Einst waren sie an den Küsten des Nordpazifiks weit verbreitet – doch dann wurden fast alle Seeotter zu Pelzmänteln verarbeitet. Gerade noch rechtzeitig konnten Jagdverbote im 20. Jahrhundert die Tiere vor dem Aussterben bewahren. Diese tragische Geschichte entwickelte sich anschließend zu einem Paradebeispiel erfolgreichen Tierschutzes: Von kleinen Restbeständen aus gelang es den Seeottern, sich langsam wieder einige Teile ihres einstigen Verbreitungsgebietes zurückzuerobern. Auch in den Küstenbereichen Kaliforniens sind sie nun wieder auf der Jagd nach Meerestieren. Bisher waren sie vor allem für ihre Beutezüge in den dortigen Kelp-Wäldern bekannt. Untersuchungen haben bereits die günstige Wirkung des Comebacks der Seeotter auf dieses Ökosystem verdeutlicht: Indem sie die Tang-fressenden Seeigel in Schach halten, tragen sie erheblich zum Erhalt der bedrohten Kelp-Wälder bei.
Rückkehr in ein weiteres Ökosystem
Doch wie die Forscher um Brent Hughes von der Duke University in Beaufort berichten, konnten sich die Seeotter auch einen weiteren ehemaligen Lebensraum in Kalifornien zurückerobern – und ebenfalls stabilisieren. Es handelt sich dabei um die Mündungsbereiche von Flüssen, die von einer Landschaft aus Wasserarmen und Salzwiesen geprägt sind. Der bedeutendste dieser kalifornischen Gezeiten-Sümpfe ist dabei Elkhorn Slough in der Monterey Bay. Wie die Wissenschaftler berichten, handelt es sich allerdings um ein bedrohtes Ökosystem: Der steigende Meeresspiegel und ein vermehrter Flusswasserabfluss nagen an den Rändern der Salzwiesen.

Wie das Forschungsteam berichtet, bildeten die Grundlage der Studie Hinweise darauf, dass die Bereiche des Elkhorn Slough, in denen sich die Seeotter seit den 1980er Jahren wieder angesiedelt haben, vergleichsweise wenig von der Erosion betroffen waren. Dieser Spur ging das Team durch eine systematische Langzeituntersuchung in dem Gebiet nach. Dabei haben die Forschenden die Vorkommen der Otter sowie Erosionsprozesse an den Uferbereichen genau erfasst sowie mögliche Einflussgrößen untersucht. An einigen Stellen hielten sie die Tiere auch durch Absperrungen gezielt von bestimmten Bereichen fern, um Vergleichsmöglichkeiten zu generieren.
Wie Otter die Küstenentwicklung beeinflussen
Wie das Team berichtet, zeichnete sich tatsächlich eine deutliche Verknüpfung der Otterpopulationen mit den Erosionsprozessen ab: Aus den Untersuchungen vor Ort und anhand von Luftaufnahmen ging hervor, dass die von den Tieren bevölkerten Bereiche um 80 bis 90 Prozent weniger von Zerfall betroffen waren als die Kontrollabschnitte. Dem Team zufolge ist dieser Effekt auf die Vorliebe der Seeotter für ein bestimmtes Beutetier in der Marschlandschaft zurückzuführen: Sie fressen große Mengen von Krabben, die bekanntermaßen die Erosion fördern. Denn sie wühlen im Uferbereich und fressen dort die Wurzeln der Salzwiesen-Pflanzen, die das Material stabilisieren. Wo die Otter die Krebspopulationen ausdünnen, kann sich die Sumpf-Vegetation hingegen erholen und dichte Wurzelgeflechte ausbilden, die das Ufer vor Abtragung schützen, erklären die Wissenschaftler.





