Seen bedecken rund drei Prozent der Landfläche der Erde, speichern aber 87 Prozent des flüssigen Süßwassers unseres Planeten. Damit spielen sie eine entscheidende Rolle für die menschliche Trinkwasserversorgung und stellen zudem wichtige Ökosysteme für eine Vielzahl von Arten dar. Bei zahlreichen Seen in verschiedenen Teilen der Welt haben allerdings lokale Beobachtungen gezeigt, dass der Wasserstand seit Jahren fällt. Beispielsweise ist der Aralsee zwischen Usbekistan und Kasachstan, der einst eines der größten Binnengewässer der Welt war, zu großen Teilen ausgetrocknet. Weltweite Daten zum Wasserstand der Seen fehlten allerdings bislang.
Gravierende Wasserverluste
Ein Team um Fangfang Yao von der University of Colorado in Boulder hat nun die Entwicklung der Seen erstmals auf globaler Ebene erfasst. „Dies ist die erste umfassende Bewertung der Trends und Ursachen für die Schwankungen der globalen Wasserspeicherung in Seen auf der Grundlage einer Reihe von Satelliten und Modellen“, sagt Yao. Für 1972 große Seen weltweit, die zusammen rund 90 Prozent des in Seen gespeicherten Wassers umfassen, haben die Forscher Satellitendaten und Pegelmessungen kombiniert, um die Entwicklung des Wasserstands zwischen 1992 und 2020 zu erheben. „Mit dieser neuartigen Methode sind wir in der Lage, Einblicke in die globalen Veränderungen des Seespiegels aus einer breiteren Perspektive zu geben“, sagt Yaos Kollege Balaji Rajagopalan.
Das Ergebnis: 53 Prozent der Seen haben in den letzten 20 Jahren Wasser verloren. Die Verluste machen durchschnittlich pro Jahr rund 22 Gigatonnen Wasser pro Jahr aus. Das entspricht fast der Hälfte des Volumens des Bodensees. Dies betrifft nicht nur Seen in trockenen Regionen, sondern auch solche in feuchten tropischen und arktischen Regionen. Die größten Wasserverluste stellen die Forscher beim Aralsee und dem Kaspischen Meer fest, doch auch zahlreiche Seen in Europa sind von der Austrocknung betroffen, darunter der Gardasee, der Lago Maggiore und der Bodensee.
Nachhaltige Bewirtschaftung zeigt Wirkung
Mit Hilfe von Modellierungen des Klimawandels sowie der menschlichen Wassernutzung sind Yao und sein Team auch den Ursachen der Wasserverluste auf den Grund gegangen. Beide Faktoren – Klimawandel und Wassernutzung – haben demnach einen entscheidenden Einfluss auf den Rückgang der Wasserreserven in Seen. Bei Stauseen kommt ein weiterer Faktor hinzu: Da Dämme und Staumauern nicht nur Wasser zurückhalten, sondern auch Sedimentteilchen wie Sand und Steinchen, lagern diese sich ab und sorgen nach und nach dafür, dass sich das Volumen der Stauseen verringert. „Die Sedimentation dominierte den globalen Speicherrückgang in bestehenden Stauseen“, erklärt Yaos Kollege Ben Livneh. Fast zwei Drittel der Stauseen der Erde hatte seit 1992 erhebliche Wasserverluste zu verzeichnen.





