Sie halten in den Unterwassergärten gleichsam das Unkraut in Schach: Seeigel ernähren sich von Algen, die auf Korallenstrukturen wachsen und schützen die empfindlichen Nesseltiere dadurch vor der wuchernden Konkurrenz. Wenn es zu wenige der stacheligen „Gärtner“ gibt, können Korallenriffe unter der grünen Last regelrecht ersticken. Diese Bedeutung der Seeigel wurde erstmals 1983 in der Karibik drastisch deutlich: Eine damals mysteriöse Erkrankung hatte die Stachelhäuter dort massenhaft dahingerafft – mit verheerenden ökologischen Folgen. Seitdem kam es zu weiteren Erkrankungswellen wodurch sich die Seeigel-Bestände und die betroffenen Riffe bisher nicht komplett erholen konnten.
Zuletzt griff das Massensterben dort 2022 um sich. In diesem Fall blieb die Erkrankung aber offenbar nicht auf die Karibik beschränkt: Zunächst verendeten auch im Mittelmeer massenweise die Seeigel und dann breitete sich die Seuche ins Rote Meer aus. Darüber berichteten die Forschenden um Omri Bronstein von der Tel Aviv University bereits im vergangenen Jahr. Seitdem haben sie sich nun intensiv der weiteren Erforschung der Erkrankung und seiner Ausbreitung gewidmet.
Schon bis in den Indischen Ozean vorgedrungen
Wie die Forschenden in ihrer aktuellen Studie berichten, wurde die Bedeutung der Epidemie immer deutlicher: Im Golf von Akaba, wo sich das Sterben im Dezember 2022 erstmals abzeichnete, sind mittlerweile die beiden wichtigsten Seeigelarten völlig verschwunden. Die Erkrankung hat sich aber auch schon weit über diesen nördlichen Ausläufer des Roten Meeres nach Süden ausgebreitet: Sie ist mittlerweile auch schon weit in den Indischen Ozean vorgedrungen. „Das Sterben erstreckt sich nun über das Rote Meer, den Golf von Oman und den Westindischen Ozean wobei der Rückgang der Populationen an einigen Stellen 100 Prozent erreichte“, schreiben die Wissenschaftler. Dazu präsentieren sie Bilder von Stränden der östlich von Madagaskar gelegenen Insel Reunion, die mit den Überresten von toten Seeigeln übersät sind.
„In unserer Studie haben wir auch gezeigt, dass sich die Epidemie entlang der Verkehrswege ausgebreitet hat. Das beste Beispiel ist dabei der Bereich um Nueiba auf dem Sinai, wo die Fähre aus der jordanischen Stadt Akaba anlegt. Als wir unseren Bericht im letzten Jahr veröffentlichten, wussten wir bereits von dem Seeigel-Sterben in Akaba, hatten aber noch keine Anzeichen für den Befall im Sinai-Bereich gefunden. Der erste Ort, an dem wir dort schließlich ein Seeigel-Sterben feststellten, war neben der Anlegestelle in Nueiba. Zwei Wochen später hatte die Epidemie dann auch schon Dahab, etwa 70 Kilometer weiter südlich, erreicht.“ Anschließend wurden auch dort die Seeigel innerhalb weniger Tage ausgelöscht. „Massenweise rollten die Überreste auf dem Meeresboden umher“, so Bronstein.





