Mit Hilfe eines Computerprogramms rekonstruierten die Wissenschaftler aus fossilen Beckenbruchstücken, die in den dreißiger Jahren in Israel gefunden worden waren, das Becken einer Neandertalerfrau. Im Vergleich mit dem Becken einer Homo sapiens-Frau stellten sie fest, dass die Neandertaler trotz ihres größeren Kopfes den kleineren Geburtskanal hatten. Dieser war im oberen Beckenbereich oval und hatte den größten Durchmesser quer zur Wirbelsäule. Im mittleren und unteren Bereich vergrößerte sich der Durchmesser nun auch nach vorne hin, wodurch er eine rundliche Form annahm.
Beim modernen Menschen hat das Becken im oberen Bereich seinen größten Durchmesser quer zur Wirbelsäule, im mittleren und unteren Bereich jedoch von vorne nach hinten. Das Baby muss daher in einer ganz bestimmten Position liegen und dem veränderten Durchmesser des Geburtskanals folgen, um durch das Becken hindurchzupassen: Im oberen Beckenbereich hat das Baby das Gesicht zur Seite gewendet, ab dem mittleren Bereich nach vorn, die Schultern folgen der Bewegung.
Die Forscher vermuten, dass das Klima die Ursache für die unterschiedliche Entwicklung ist: Während sich der Neandertaler in kühleren Regionen entwickelte, ging der moderne Mensch aus einer Linie hervor, die in Afrika lebte. Aufgrund der Hitze in den Tropen könnte es für die modernen Menschen von Vorteil gewesen sein, das Becken zu verkleinern, erläutern Weaver und Hublin. In kälteren Gebieten sei hingegen ein kompakter Körperbau von Vorteil für die Wärmeregulation.





