Text: Klaus Zintz
Ein solches Erlebnis bleibt in Erinnerung: Da tummeln sich an einem wunderschönen Herbstmorgen locker zehn, fünfzehn Admirale in dem schmalen Auwald entlang des Flüsschens Argen kurz vor der Mündung in den Bodensee. Die dunklen Schmetterlinge mit den markanten roten Binden auf den Flügeln fliegen munter durcheinander und umeinander herum. Fast hat es den Anschein, als würden sie sich zu einem ausgiebigen morgendlichen Kaffeekränzchen treffen, nur dass es statt Kaffee Feuchtigkeit und Mineralsalze am Ufer gibt, die sie mit ihrem Rüssel aufsaugen. Admirale gehören zu denjenigen Schmetterlingen, die nicht nur auf Feldern und Wiesen sowie in Gärten vorkommen, sondern auch in lichten Wäldern – und hier vor allem an Waldsäumen, auf Lichtungen oder eben auch entlang von bewaldeten Fließgewässern. Falls dort Brennnesseln wachsen, also die Leib- und Magenpflanze der manchmal fast schwarzen Raupen mit ihren hellen Flecken an den Seiten, dann kann sich der Admiral in dieser Umgebung auch fortpflanzen.
Disteln und Brombeeren bieten Faltern Nektar
Deutlich mehr an den Wald gebunden ist allerdings der ebenfalls noch relativ häufige Kaisermantel, einer unserer größten einheimischen Perlmuttfalter. So hat man gute Chancen, diesen hübschen ockergelben Schmetterling mit den schwarzen Flecken in naturnahen hellen Wäldern zu beobachten, insbesondere an Waldrändern, entlang von Wegen und an Lichtungen oder Waldwiesen. Hier saugen die erwachsenen Falter gerne Nektar aus den Blüten von Disteln, Brombeeren, Flockenblumen und Dost – sie sind also auf Bodenbewuchs angewiesen. Die Eier werden übrigens nicht direkt an den Futterpflanzen abgelegt, sondern in geringer Höhe an der Rinde von Bäumen, in deren Nähe verschiedene Veilchenarten wachsen, die Leibspeise der mit gelblichen Dornen versehenen Raupen. Und noch ein besonders schöner Tagschmetterling liebt die lichten Laubwälder, macht aber auch Ausflüge in Obstwiesen oder zu Alleen: der Trauermantel. Die dunkelbraunen Flügeloberseiten werden zum hinteren Rand hin von einem Band aus blauen Punkten begrenzt, an das sich ein beigegelber Rand anschließt. Allerdings verblassen diese hübschen Farben während der monatelangen Winterruhe ziemlich, sodass die Falter, die im zeitigen Frühjahr unterwegs sind, lange nicht mehr so leuchtend gefärbt sind wie die Trauermäntel im Herbst. Auch die schwarzen bedornten Raupen sind recht hübsch mit ihren feinen weißen Haaren und rostroten Punkten.
Manche Falter stecken ihre Saugrüssel in Kot
Zwei durch und durch an den Wald gebundene Tagfalter sind der Große und der Kleine Schillerfalter. Sie zählen zu unseren schönsten einheimischen Schmetterlingen, wobei sie sich in der Größe kaum unterscheiden. Im Gegensatz zum Großen hat der Kleine Schillerfalter an den Oberseiten der Vorderflügel je einen kleinen dunklen Fleck, der von einem orangefarbenen Ring umgeben ist. Besonders prächtig werden diese beiden schwarzbraunen Falter aber durch ihre blauviolett schimmernden Flügeloberflächen. Hier schillert jedoch keine „echte“ Farbe, vielmehr kommt der irisierende Farbeindruck durch eine besondere Feinstruktur der Flügelschuppen zustande: Dabei wirken viele Miniprismen so zusammen, dass sie je nach Einfallswinkel die Lichtstrahlen unterschiedlich reflektieren. Und noch eine Besonderheit zeichnet die erwachsenen Falter aus: Sie stecken ihren Saugrüssel nur selten in Blüten, um Nektar aufzunehmen, sondern tatschen damit bevorzugt an Kot oder feuchten Stellen am Waldboden herum – dann hat man auch gute Chancen, sie zu beobachten. Ansonsten ruhen sie gerne weiter oben in den Bäumen, weshalb man sie nur schwer zu Gesicht bekommt. Die Raupen des Großen Schillerfalters ernähren sich überwiegend von Weidenblättern, wobei sie vor allem Salweiden bevorzugen.





