Was lebt am Grund des zentralen Arktischen Ozeans, der das ganze Jahr über mit Eis bedeckt ist? Dieser Frage hat sich ein Forscherteam um Antje Boetius vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen im Rahmen einer Expedition des berühmten Forschungseisbrechers Polarstern gewidmet. Dazu kam unter anderem ein geschlepptes Kamera-System zum Einsatz, das Bilder aus der Tiefe lieferte. Wie die Wissenschaftler berichten, stießen sie im Bereich der rund 1000 Meter tief gelegenen Gipfel von Unterwasser-Bergen des Langseth-Rückens auf eine erstaunlich üppige Lebenswelt. Sie wird von zahlreichen Schwämmen dominiert, von denen einige Durchmesser von über einem halben Meter erreichen.
Wovon leben die da?
Wie die Forscher erklären, ist dies verwunderlich, denn aus den höheren Wasserschichten kann dort kaum Nahrung auf den Grund rieseln, da durch die beständige Meereisbedeckung in der Region nur wenig Licht für das Wachstum von Algen schimmert. Dennoch ist die Biomasse in den Schwammgärten vergleichbar mit der in Lebensräumen, wo diese simplen tierischen Lebewesen durch einen viel höheren Nährstoffeintrag versorgt werden. „Was die Algen in den oberen Wasserschichten im untersuchten Gebiet produzieren, deckt weniger als ein Prozent des geschätzten Kohlenstoffbedarfs der Schwämme“, erklärt Boetius. „Dies ist ein einzigartiges Ökosystem. So etwas haben wir in der hohen Zentralarktis noch nie gesehen.“ Deshalb entschloss sich das Team, die Schwämme und ihren Lebensraum genauer zu erforschen. Für ihre Studie werteten sie Aufnahmen aus und untersuchten Gewebeproben einiger Exemplare durch unterschiedliche Analyseverfahren.
Wie die Forscher berichten, handelt es sich hauptsächlich um Schwämme aus der Gattung Geodia. Aus Spuren ihrer Wachstumsraten geht hervor, dass sie im Durchschnitt ein Alter von 300 Jahren besitzen. Die Laboruntersuchungen der Gewebeproben zeigten, dass sie eine Gemeinschaft aus speziellen Bakterien beherbergen, wie es für Schwämme typisch ist. Diese Mikroben leben in einer Symbiose mit ihnen – sie erschließen ihnen bestimmte Nährstoffe und die Schwämme bieten ihnen im Gegenzug eine sichere Heimat. Die genaueren Untersuchungen der Mikroben der Geodia-Schwämme vom Langseth-Rücken lieferten dann schließlich Hinweise darauf, dass sie die Schwämme dort mit Nährstoffen aus einer speziellen Quelle versorgen: Sie zapfen die Überbleibsel einer heute verschwundenen Lebensgemeinschaft an.
Ein großes Reste-Fressen
Wie die Forscher erklären, ist aus früheren Untersuchungen bekannt, dass es sich bei den Unterwasserbergen um erloschene Vulkane handelt. In aktiven Zeiten kann unterseeischer Vulkanismus bekanntlich durch bestimmte Ausgasungen Organismen eine Lebensgrundlage bieten. Das Team fand auch entsprechende Überreste solcher Gemeinschaften, die offenbar stark von Röhrenwürmern geprägt waren. Radiokohlenstoffdatierungen dieser Spuren ergaben, dass diese einstigen Ökosysteme noch vor 2000 bis 3000 Jahren an den damals aktiven Unterwasserschloten existiert haben.





