Obwohl unsere Sprache hauptsächlich zum Austausch verlässlicher Informationen dient, täuschen und lügen sich Menschen untereinander manchmal an. Häufig nutzen wir diese besondere Form der Kommunikation zum Spaß oder Vorteile zu erlangen. Übertreibt ein Mensch es aber damit, kann die eigene Vertrauenswürdigkeit verloren gehen. „Wenn Sie wiederholt von jemandem angelogen werden, werden Sie höchstwahrscheinlich schnell aufhören, dieser Person zu vertrauen“, erklärt Michael Griesser von der Universität Zürich.
Wie schützen sich Unglückshäher vor Täuschungen?
Aber beurteilen auch Tiere die Vertrauenswürdigkeit eines Kommunikationspartners anhand der persönlichen Erfahrungen mit diesem oder nutzen sie andere Mechanismen, um sich vor Täuschungen zu schützen? Diesen Fragen sind Wissenschaftler um Filipe Cunha von der Universität Zürich nachgegangen. Dafür wählten sie Unglückshäher (Perisoreus infaustus) als tierische Versuchsobjekte aus. Diese territorialen, in Familiengruppen lebenden Rabenvögel verfügen über ein breites Repertoire an Warnrufen, mit dem sie sich untereinander vor Gefahren und insbesondere vor ihrem ärgsten Fressfeind, dem Habichts, warnen.
Doch die Häher nutzen diese Warnrufe auch zur Täuschung konkurrierender Artgenossen: Sie bringen die Mitglieder einer anderen Gruppe mithilfe des Habicht-Warnruf dazu, zu flüchten und gelangen so an deren Nahrung. „Im Tierreich findet man häufig das Phänomen, dass Warnrufe zur Täuschung verwendet werden, weil es für den Empfänger der falschen Information ein hohes Risiko birgt, diese zu ignorieren“, erklärt Cunha.
Um herauszufinden, wie Unglückshäher mit dieser Art der Täuschung umgehen, untersuchte die Forschenden eine Population wildlebender Unglückshäher in Nordschweden. Mithilfe von Futter lockten sie erfahrene Vögel auf einen Futterplatz. Sobald ein einzelnes Tier den Futterplatz besuchte, wurden ihm per Lautsprecher zuvor aufgenommene Sequenzen des typischen Warnrufes vorgespielt. Diese stammten entweder von ehemaligen Gruppenmitgliedern, mit denen die Tiere vor zwei bis fünf Jahren zusammengelebt hatten, von Vögeln aus Nachbarterritorien oder von Individuen, zu denen der Futterplatzbesucher bisher keinerlei Kontakt hatte. Anhand von Videoaufnahmen bestimmten Cunha und seine Kollegen, wie schnell und für wie lange die Vögel die Flucht ergriffen.
Häher vertrauen nur ihren Gruppenmitgliedern
Es zeigte sich: Die Unglückshäher erkannten, von wem der Ruf kam und konnten sich mithilfe dieser sozialen Information vor potenziellen Täuschungen schützen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Unglückshäher unterschiedlich auf das Abspielen von Warnrufen reagieren, je nach sozialer Beziehung zum Rufer“, so die Wissenschaftler. Die beobachteten Rabenvögel zeigten nur auf die Warnrufe von ehemaligen Gruppenmitgliedern hin eine sofortige und langanhaltende Fluchtreaktion. Nach solchen Rufen brauchten die Tiere durchschnittlich 0,3 Sekunden zum Fliehen und kamen erst nach etwa acht Minuten zurück zur Fütterungsstelle. Dabei war diese Reaktion allein davon abhängig, ob die Rufer zur eigenen Gruppe gehört hatte. Die Dauer, mit der die beobachteten Rabenvögel zuvor mit diesen Artgenossen zusammengelebt hatten, oder ihre Verwandtschaft zu den ehemaligen Gruppenmitgliedern spielten dagegen keine Rolle





