Einige Medikamente zur Behandlung von Schizophrenie und ähnlichen psychischen Störungen lassen vorübergehend die graue Hirnsubstanz schrumpfen. Das haben Forscher aus Deutschland und den USA herausgefunden, als sie der Ursache für motorische Störungen nachgingen, unter denen viele Patienten bereits Minuten nach der Einnahme bestimmter Antipsychotika leiden. Nach Einschätzung der Wissenschaftler um Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim könnten die Erkenntnisse dazu beitragen, die unangenehmen Nebenwirkungen der Medikamente künftig einzudämmen.
Bei Schizophrenie und ähnlichen psychischen Störungen spielt der Botenstoff Dopamin eine entscheidende Rolle: Weil die Dopamin-Andockstellen auf Dauerbetrieb geschaltet sind, kommt es zu einer Übererregbarkeit, die unter anderem Wahnbilder zur Folge haben kann. Um dem entgegenzuwirken, erhalten die Patienten Medikamente, die die Dopamin-Rezeptoren blockieren und den Erregungszustand somit herunterregulieren.
Bei bestimmten Antipsychotika kann es in der Folge jedoch zu Bewegungsstörungen kommen, etwa in Form von Ruhelosigkeit oder unkontrollierbaren Bewegungen. Die Wissenschaftler wollten nun herausfinden, ob diese Reaktion tatsächlich auf die Wirkstoffe zurückzuführen ist und was diese Substanzen im Gehirn bewirken. Darum verabreichten sie nicht etwa kranken, sondern gesunden, jungen Männern den Wirkstoff Haloperidol. Gleichzeitig machten sie mit Hilfe der sogenannten funktionellen Magnetresonanztomographie die Hirnaktivität der Freiwilligen sichtbar.
Dabei konnten die Forscher beobachten, dass sich die graue Hirnsubstanz in einer für die Motorik besonders wichtigen Hirnregion bereits nach einer einzigen Gabe innerhalb weniger Stunden deutlich verringerte. Nach 24 Stunden war der Effekt jedoch nicht mehr zu sehen und das Hirnvolumen hatte wieder sein normales Maß erreicht. Das ist nach Ansicht der Wissenschaftler zum einen ein weiterer Beweis für den großen Einfluss des Botenstoffs Dopamin. Zum anderen könnten die Erkenntnisse zur Verbesserung der Medikamente und damit zu einer höheren Lebensqualität für die Betroffenen beitragen.
Pressemitteilung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim Andreas Meyer-Lindenberg (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim) et al.: Nature Neuroscience, Bd. 13, Nr. 6 ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht