Für Patienten mit Bluthochdruck, bei denen Medikamente nicht anschlagen, wird derzeit ein elektronischer Schrittmacher erprobt, der die Werte in die Knie zwingt. Jeder dritte deutsche Erwachsene hat zu hohen Blutdruck, bei den über 60-Jährigen ist sogar jeder Zweite betroffen. Doch die wenigsten spüren etwas davon. Dabei drohen fatale Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Demenz und Blindheit. Um die Werte unter die magische Schwelle von 140/90 mm Hg zu drücken, stehen derzeit fünf verschiedene Medikamentengruppen zur Verfügung. Viele Patienten benötigen zwei oder mehr Wirkstoffe, aber bei manchen reicht selbst die ausgefeilteste Kombination nicht aus.
Der neuartige Schrittmacher ist etwa halb so dick und doppelt so lang wie eine Streichholzschachtel und wird den Patienten unter das Schlüsselbein implantiert. Feine Drähte führen zu den beiden Halsschlagadern. „Hier sitzen wichtige Körpersensoren für den Blutdruck, die sogenannten Baro-Rezeptoren”, erklärt Dr. Jan Menne von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Das dortige Studienzentrum für Nieren- und Hochdruckerkrankungen ist bundesweit die einzige Klinik, die das Verfahren im Rahmen einer Pilotstudie bereits einsetzt. Die Baro-Rezeptoren bestehen aus einem Geflecht von Nervenfasern, die den Blutdruck anhand der Gefäßdehnung messen. Die Signale werden an das Gehirn weitergeleitet, das dann über das vegetative Nervensystem den Blutdruck an die momentanen Bedürfnisse des Körpers anpasst: Ist er zu hoch, entspannen sich die Gefäße, die Pulsrate sinkt und die Nieren scheiden verstärkt Flüssigkeit aus. Bei zu niedrigen Blutdruckwerten erfolgt der „Baroreflex” in umgekehrter Richtung.
Menne erklärt: „Der Schrittmacher stimuliert die Baro-Rezeptoren. Die gaukeln dem Gehirn dann ständig einen stark überhöhten Blutdruck vor, sodass es blutdrucksenkende Maßnahmen ergreift.” Die Elektroden sind in dünne Silikonschlaufen eingelassen, die im Bereich der Rezeptoren um die Halsschlagader geschlungen werden. Später verwachsen sie mit dem umgebenden Bindegewebe. Den Befestigungspunkt, an dem die optimale Blutdrucksenkung erreicht wird, ermitteln die Chirurgen noch während der Operation. „Innerhalb von 20 Sekunden fallen die Werte nach der Erststimulation zum Teil um 70 bis 100 mm Hg”, so Menne. In einer europaweiten Studie mit 35 Patienten sanken sie langfristig um durchschnittlich 30 mm Hg.
Der Schrittmacher wurde vor etwa vier Jahren in den USA entwickelt. An der MHH ist er bisher acht Patienten implantiert worden, weltweit tragen ihn mittlerweile etwa 150 Menschen unter der Brust. „Die Methode ist chirurgisch sehr anspruchsvoll und daher sicher nichts für den Routineeinsatz”, betont Jan Menne. Doch für diejenigen, die nicht auf Medikamente ansprechen, ist sie ein Rettungsanker. Bei einer Patientin sank der Blutdruck dauerhaft um 60 bis 70 mm Hg, obwohl vorher fünf verschiedene Medikamente erfolglos geblieben waren. Dr. Ulrich Fricke
medinfo im Juli: Reizdarm
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INTERNET
Allgemeine Informationen zur Therapie von Bluthochdruck: www.paritaet.org/hochdruckliga Patientengerecht aufgearbeitete Behandlungsleitlinie: www.patientenleitlinien.de (Stichwort Bluthochdruck)
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Wolfram Delius: BLUTHOCHDRUCK. Erfolgreich behandeln – Risiken senken. Hirzel, Stuttgart 2006, € 17,80
KONTAKT
Dr. med. Jan Menne, Medizinische Hochschule Hannover, Abteilung Nephrologie, Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover, Telefon: 0511/532–0, www.mh-hannover.de/nephrologie.htm





