Dass eine hohe Belastung durch radioaktive Strahlung oder Röntgenstrahlen das Risiko für Leukämie erhöht, ist seit Langem bekannt. Strittig ist allerdings bisher, inwieweit schon geringe Dosen ionisierender Strahlung gesundheitsschädlich sind. So gelten Röntgenaufnahmen und Computertomografien zwar als unbedenklich. Doch man weiß auch, dass sich die schädigende Wirkung dieser Strahlung im Laufe des Lebens kumuliert.
Kernkraftwerks-Arbeiter untersucht
Schon vor mehreren Jahren gab es zudem Berichte über vermehrte Leukämiefälle bei Kindern, die im nahen Umkreis von Atomkraftwerken leben – in einem Bereich, der keine stark erhöhte radioaktive Belastung aufwies. Der Gefahr von niedrigdosierter Strahlenbelastung ist nun ein internationales Forscherteam um Klervi Levraud vom französischen Institut für Strahlenschutz und Reaktorsicherheit auf den Grund gegangen.
In der bisher größten Studie dieser Art werteten die Forscher die Dosimeter- und Gesundheitsdaten von mehr als 308.000 Arbeitern aus, die in Frankreich, Großbritannien und den USA jeweils mindestens ein Jahr lang in Atomkraftwerken gearbeitet hatten. Die Forscher ermittelten, wie viele dieser Arbeiter an einer Leukämie oder einem Lymphom erkrankten und wie viele von ihnen daran starben. Ihre Daten reichten dabei bis zu 60 Jahre weit zurück.
Mehr Leukämie und Lymphome
Und tatsächlich: Die Auswertung ergab zwar keinen eindeutigen Beweis, aber doch einen deutlichen Zusammenhang zwischen Strahlenbelastung und Leukämie-Risiko – und das selbst bei sehr niedrigen Dosen. Im Untersuchungszeitraum starben 531 Arbeiter an Leukämie, 814 an Lymphomen und 293 an einem multiplen Myelom, wie die Forscher berichten. 30 dieser Leukämie-Fälle könne man der Strahlung zuschreiben. (s. Änderungs-Hinweis unten)
Das Bemerkenswerte daran: Die Arbeiter waren bei ihrer Arbeit im Kernkraftwerk keineswegs einer stark überhöhten Strahlendosis ausgesetzt. Im Gegenteil: Die durchschnittliche jährliche Strahlendosis der Arbeiter lag nur 1,1 Millisievert über der normalen Hintergrundstrahlung. Und auch ihre über die Zeit kumulierte Strahlendosis betrug durchschnittlich 16 Millisievert. Zum Vergleich: Schon eine Computertomografie des Rumpfes führt zu einer kurzzeitigen Strahlenbelastung von 10 Millisievert.
Linearer Zusammenhang auch bei niedrigen Dosen
“Wir haben damit einen positiven Zusammenhang zwischen der kumulativen Dosis ionisierender Strahlung bei Erwachsenen und dem Tod durch Leukämie selbst bei niedrigen Dosen nachgewiesen”, sagen Levraud und seine Kollegen. Dieser Zusammenhang verschwand auch nicht, wenn die Forscher die Länder einzeln betrachteten oder andere Einflussfaktoren wie den sozioökonomischen Status der Teilnehmer berücksichtigten.





