Die kleine Wolfsspinne (Pardosa milvina) erkennt den Ernährungszustand ihres Feindes, einer anderen, räuberischen Wolfsspinnenart (Hogna helluo) anhand chemischer Bestandteile in deren Kot und Spinnenseide. Sie reagiert darauf mit verändertem Fress- und Fortpflanzungsverhalten. Dies berichten Wissenschaftler der Universitäten Oxford und Hamilton in Ohio in der aktuellen Ausgabe von Animal Behaviour.
Die räuberische Wolfsspinne frisst sowohl Insekten als auch kleine Wolfsspinnen. Nehmen letztere Substanzen aus Kot oder die Spinnenseide des Räubers wahr, so beantworten sie dies mit einer Feind-Vermeidungsstrategie: Sie bewegen sich weniger und minimieren damit die Gefahr, gefressen zu werden.
Die Forscher fanden heraus, dass die kleinen Wolfsspinnen vor allem dann reagierten, wenn ihre Feinde sich schon zuvor ausschließlich von kleinen Wolfspinnen ernährten. Hatten die großen Wolfsspinnen vorher von einer Grillendiät gelebt, trat die Vermeidungsreaktion der potenziellen Beutetiere seltener auf.
“Es ist schwer, etwas zu Fressen und Partner zu finden, wenn du dich nicht bewegst,” so Biologe Matt Persons. Laufende Versuche deuten an, dass verschiedene Insekten ähnlich reagieren wie die kleinen Wolfsspinnen. Gesetzt den Fall, im Lebensraum wäre überall Spinnenkot verteilt, könnte dies die Vermehrung schädlicher Spinnen und Insekten eindämmen. Persons sieht darin ein wirkungsvolles Mittel der biologischen Schädlingsbekämpfung.
Spinnenseide und -exkremente sind ungiftig und umweltverträglich. Vorstellbar ist auch die synthetische Herstellung der Bestandteile. Anders als bei Pestiziden können Insekten nicht ohne weiteres Resistenzen gegen die Spinnenchemikalien entwickeln.
Anna Voormann





