Bereits im Alter von acht Monaten können Babys dreidimensionale Elemente in Zeichnungen entschlüsseln ? etwa eine Scheibe von einer Kugel unterscheiden. Dies ist das Ergebnis von Untersuchungen eines Forschungsteams der Universität Bonn.
Das Wissenschaftler-Team um Michael Kavsek vom Psychologischen Institut der Universität Bonn wendet ausgefeilte Methoden an, um herauszufinden, was ein Baby erkennt. “Wir gewöhnen das Baby zunächst an ein Ausgangsbild und zeigen ihm dann eine neue Zeichnung”, erläutert Kavsek. “Das Kind reagiert überrascht, wenn es einen Unterschied wahrnimmt, je überraschter, desto länger wird es sich das neue Bild ansehen. Oder umgekehrt: Je länger der Säugling das neue Bild betrachtet, desto deutlicher ist ihm der Unterschied zum Ausgangsbild aufgefallen.”
Über 2.000 Kinder haben Kavsek und seine Kollegen mit dieser Methode untersucht. Beispielsweise zeigte er acht Monate alten Babys eine gezeichnete Röhre, deren Zylinderform durch zwei Linien angedeutet ist. Die eine Linie (Linie b) ist für den Eindruck des Hohlraums sehr wichtig, während die andere Linie (a) in der Mitte des Zylinders eher wenig zum räumlichen Eindruck beiträgt. Die Forscher präsentierten das Bild mehrmals hintereinander, bis die Säuglinge nicht mehr reagierten.
Dann entfernten sie eine der beiden Linien. Im Falle der Linie (b) reagierten die Babys überraschter, als wenn sie Linie (a) entfernten. Auch im umgekehrten Falle – wenn zuerst das zweidimensionale Bild gezeigt wurde und dies dann durch die einen Zylinder andeutende Linie (b) ergänzt wurde -, reagierten die kleinen Testpersonen überraschter, als wenn nur Linie (a) eingezeichnet wurde.
Fünf Monate alte Babys nehmen den Unterschied in der Dimensionalität meist noch nicht wahr. Insgesamt konnten die Wissenschaftler aber feststellen, dass weibliche Säuglinge im Unterschieden von Zwei- und Dreidimensionalität schneller waren als die männlichen.
Doris Marszk





