Ob als Heißgetränk, Kuchen, Tafel oder Eis: Schokolade ist nicht aus den Supermarktregalen wegzudenken. Es verwundert daher nicht, dass die weltweite Schokoladenindustrie einen jährlichen Umsatz von über 100 Milliarden US-Dollar hat. Um die hohe Nachfrage zu erfüllen, tun vier bis sechs Millionen tropische Kleinbauern nichts anderes, als Kakao anzubauen. Doch: „Die steigende Nachfrage nach Kakao und die kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteile für die Landwirte haben zu einer Ausweitung der Plantagen und einer ökologischen Homogenisierung auf Kosten der biologischen Vielfalt und lebenswichtiger Ökosystemleistungen geführt“, erklärt Tom Wanger von der Westlake University in China.
Geringe Bestäubung bereitet Probleme
Wie aber ließe sich die steigende Nachfrage decken, ohne dafür weitere ökologische Schäden anzurichten? Um das herauszufinden, haben Forschende um Erstautorin Tonya Lander von der University of Oxford nun die wichtigsten Faktoren ermittelt, die die Kakaoerträge beeinflussen. Dafür analysierten sie Daten aus den drei großen Kakaoanbauländern Brasilien, Ghana und Indonesien, die zusammen ein Drittel der weltweiten Kakaoproduktion ausmachen. Unter anderem nahm das Team die Rolle der Bestäubung, Temperatur und Bodengesundheit genauer unter die Lupe. Als Maßstab für den Einfluss der verschiedenen Faktoren galt dabei die sogenannte Ertragslücke – die Differenz zwischen dem tatsächlichen und dem maximal möglichen Ertrag.
Das Ergebnis: Es gibt offenbar drei zentrale Faktoren, die die aktuelle Erntemenge deutlich unter ihrem theoretisch möglichen Niveau halten, wie die Forschenden herausgefunden haben. Dazu gehört zum einen eine zu geringe Bestäubungsrate. „Kakao wird von winzigen Insekten wie Mücken und Fransenflüglern bestäubt, und es ist ziemlich überraschend, dass die meiste Zeit einfach nicht genug Bestäubung stattfindet, um die maximal mögliche Kakaoernte zu erzielen“, sagt Co-Autor Acheampong Atta-Boateng. Würde man die Bestäubung über das derzeitige Niveau hinaus erhöhen, könnte das die Erträge um bis zu 20 Prozent steigern.
Mit Nachhaltigkeit gegen Ertragsflauten
Um die Bestäubung und damit auch den Ertrag zu verbessern, empfehlen die Forschenden, den Bestäuber-Insekten das Leben auf den Plantagen so angenehm wie möglich zu gestalten, zum Beispiel durch die Erhaltung von Laubstreu und organischer Bodensubstanz sowie durch die Reduzierung von Agrarchemikalien, die häufig neben schädlichen auch nützliche Insekten in Mitleidenschaft ziehen. Diese Maßnahmen könnten außerdem dabei helfen, die beiden anderen Faktoren zu optimieren, die aktuell noch die Kakaoerträge gering halten: mangelnde Bodengesundheit und zu hohe Temperaturen.





