Mäuse erkennen ihre Artgenossen an bestimmten Duftstoffen im Urin. Sie orientieren sich dabei an hochspezialisierten Eiweißmolekülen, die für jede Maus einzigartig sind. Dadurch können sie zwischen verwandten und nicht verwandten Artgenossen unterscheiden.
Bisherige Studien hatten die sogenannten MCH-Proteine und damit eine ganz andere Gruppe von Eiweißstoffen für die Dufterkennung verantwortlich gemacht: Ihr Bauplan ist auf einem Set von Genen gespeichert, das Funktionen des Immunsystems steuert und gleichzeitig auch den Körpergeruch beeinflusst. Dass diese Annahme falsch ist, konnten Verhaltensforscherin Jane Hurst von der Universität von Liverpool und ihre Kollegen in ihrer neuen Studie zeigen: Ließen die Biologen weibliche Mäusen an Duftproben schnuppern, die zwei unterschiedliche Varianten der Immuneiweiße enthielten, konnten die Mäuseweibchen die beiden Marker nicht unterscheiden.
Gaben Hurst und ihr Team den Tieren stattdessen jedoch Proben aus Mäuse-Urin zu Schnuppern, erkannten die Weibchen die verschiedenen Männchen zuverlässig. Die Proben unterschieden sich dabei durch eine bestimmte Gruppe von Eiweißmolekülen. “Diese Urin-Proteine scheinen eine Art chemischer Barcode zu sein, durch den jedes einzelne Tier eindeutig zu erkennen ist”, erklärt Hurst.
Frühere Studien hatten im Labor gezüchtete Mäuse verwendet, die sich ausschließlich in ihren Immun-Genen unterscheiden und ansonsten genetisch identisch sind. Hurst und ihr Team untersuchten dagegen wilde Mäuse, die eine Reihe unterschiedlicher Gene besitzen. “Die bisherigen Studien hätten den Unterschied bei den Urin-Molekülen also gar nicht entdecken können”, sagt Hurst.
Mit Hilfe der Urin-Moleküle können die Tiere zwischen verwandten und nicht verwandten Artgenossen unterscheiden und somit Verwandte als ungeeignete Geschlechtspartner identifizieren. Dies ermöglicht es, Inzucht innerhalb der Art zu verhindern.
Sarah Cheetham (Universität von Liverpool) et al.: Current Biology, Bd. 17, S. 1771 ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein





