Der Untergang der Welt der Dinosaurier am Ende der Kreidezeit ist das bekannteste Massenaussterben der Erdgeschichte – doch ein schlimmeres hatte sich schon deutlich früher abgespielt: Vor rund 250 Millionen Jahren verschwanden im Schnitt neun von zehn Arten. Dieses Massenaussterben markiert das Ende des Erdzeitalters Perm und den Beginn der Trias-Epoche. Als Auslöser für den Prozess gelten massive Veränderungen der Umweltbedingungen durch starken Vulkanismus auf der Erde. In einigen fossilen Hinweisen spiegelt sich dabei bereits wider, wie die Lebewesen dieser turbulenten Ära ums Überleben kämpften.
Nun berichten die Forscher um Christian Kammerer vom North Carolina Museum of Natural Sciences in Raleigh von einem interessanten Tier dieser schwierigen Zeit. Auf seine Überreste ist Kammerer an einem Fundort im südafrikanischen Karoo-Becken gestoßen, das bereits für seine Fossilien aus dem Perm-Zeitalter bekannt ist. Nach anfänglichem Rätselraten stellten sich die ungewöhnlichen Skelettteile als Überreste von Inostrancevia heraus. Es handelt sich dabei um einen Vertreter aus der Gruppe der Gorgonopsien, der etwa so groß wie ein Tiger war und eindrucksvolle Säbelzähne im Maul besaß. Der erstaunliche Aspekt des Fundes ist allerdings: Bisher waren Fossilien von Inostrancevia nur aus Russland bekannt und man nahm an, dass der Räuber nur dort vorkam.
Weit gereister Säbelzahn-Räuber
Der neue Fundort erscheint somit besonders erstaunlich, denn auch im Perm-Zeitalter lagen das heutige Russland und Südafrika extrem weit voneinander entfernt. Da die russischen Funde älter sind, deutet die neue Entdeckung somit nun darauf hin: Inostrancevia legte einst über 11.000 Kilometer zurück, um in das entfernte Ökosystem einzuwandern. “Die Fossilienfunde waren eine ausgesprochene Überraschung”, sagt Co-Autorin Pia Viglietti vom Field Museum in Chicago. Denn es erscheint unklar, wie diese Tiere es geschafft haben, diese enormen Entfernungen in der komplexen Welt des damaligen Superkontinents Pangäa zu durchqueren.
Den Hauptaspekt ihrer Studie sehen die Forscher allerdings in weiteren Ergebnissen, die sich aus dem Fund ergaben: “Als wir das Alter der anderen Top-Raubtiere, die bereits aus der Region bekannt waren, nämlich der Rubidgeinae-Gorgonopsien, mit den Inostrancevia-Fossilien verglichen, stellten wir etwas sehr Interessantes fest”, sagt Viglietti. Es zeichnet sich demnach ab, dass die einheimischen Großräuber offenbar im Zuge der schwankenden Umweltbedingungen am Ende des Perm ausgestorben waren und dabei eine ökologische Lücke hinterlassen hatten. Denn offenbar gab es durchaus weiterhin Beutetiere in der Region: Die Pflanzenfresser konnten den Umweltveränderungen wohl vergleichsweise gut trotzen, belegen Fossilfunde. In die Lücke, die die Rubidgeinae-Räuber hinterlassen hatten, stießen dann offenbar die Inostrancevia vor, sagen die Forscher.





