Schmetterlinge faszinieren den Menschen schon seit Jahrhunderten. Daher gehören sie zu den am besten erforschten wirbellosen Lebewesen. Viele Kinder lernen schon im Kindergarten die Geschichte der „Raupe Nimmersatt“. Aber die Metamorphose, also die Verwandlung von Raupen zu Schmetterlingen, fasziniert nicht nur Kinder. Ihr Ablauf auf zellulärer Ebene stellt Forschende bis heute vor Rätsel.
Neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung begannen Menschen im 19. und 20. Jahrhundert, in ihrer Freizeit Schmetterlinge zu sammeln. Damals noch mit recht rigorosen Methoden: Interessierte fingen die Insekten mit Schmetterlingsnetzen und töteten sie mit Chemikalien. Anschließend präparierten sie die Tiere und stellten sie in Schaukästen aus. Sogar der englische Premierminister Winston Churchill sammelte und züchtete in seiner Kindheit Schmetterlinge.
Viele Schmetterlinge sind bedroht
Heute spielt Naturschutz eine größere Rolle und Schmetterlingsliebhaber beschränken sich auf das Fotografieren der bunten Tiere. Schließlich sind rund 60 Prozent der heimischen Arten gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Ursachen dafür sind vor allem der Verlust von Lebensräumen, Umweltgifte, Temperaturveränderungen durch die Klimakrise sowie Monokulturen auf den Feldern und in den Wäldern. Schmetterlinge und andere Insekten leiden besonders unter diesen Veränderungen.
Bei der Untersuchung von Landschaften nutzen Wissenschaftler daher Schmetterlinge als Indikator für die Biodiversität und Gesundheit des Biotops. Die bunten Tiere eignen sich gut, da Schmetterlinge gut erforscht und durch ihre Farbpracht besser zu unterscheiden sind als Käfer und Fliegen. Wenn es viele und vielfältige Schmetterlinge gibt, bedeutet das, dass auch die Pflanzen vielfältig sind. Insgesamt kann man dann von einer intakten Biodiversität ausgehen. Die Vielfalt ist nicht nur schön anzusehen, sondern erhöht auch die Widerstandsfähigkeit der Natur und sorgt für funktionierende Stoffkreisläufe. Insekten spielen zum Beispiel eine zentrale Rolle bei der Befruchtung von Pflanzen und in Nahrungsketten. Der Verlust ihrer Diversität bringt daher Ökosysteme aus dem Gleichgewicht und kann weitreichende Folgen haben.
Wo leben Schmetterlinge?
Ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche einzigartige Schmetterlinge sind die europäischen Alpen. Manche Arten haben sich dort auf einzelne Pflanzen und extreme Bedingungen spezialisiert. Beispielsweise kommt der kleine Flechtenbär, ein orange-schwarz gemusterter Nachtfalter, in bis zu 3000 Metern Höhe vor. Seine Raupen fressen Flechten von Steinen und Felsen. Andere Schmetterlingsarten bevorzugen Bergwiesen, die nur ab und zu für Heu bewirtschaftet werden. Da die intensive Flächennutzung aber auch in den Alpen zunimmt, sind diese endemischen Arten bedroht. Getreidefelder, Apfelplantagen und Co sind schließlich wegen ihrer Chemikalien, geringer Diversität an Pflanzen und häufiger Bewirtschaftung durch Maschinen kein guter Ort für Schmetterlinge.
Aber auch abseits der Alpen verlieren Schmetterlinge ihre Lebensräume. Viele von ihnen bevorzugen Pflanzen, die auf nährstoffarmen Böden wachsen. Der Schachbrettfalter kommt beispielsweise auf weniger gehaltvollen Magerwiesen vor. Diese werden durch die starke Düngung der Landwirtschaft und Abgase von Industrie und Verkehr immer weniger.
Vielfalt der Schmetterlinge entdecken
Umso wichtiger ist es, den Wert der Vielfalt zu kennen. Und nicht nur Wissenschaftler können dazu beitragen. Das Beobachten von Schmetterlingen bietet sich auch als achtsames Hobby in der Natur für Kinder und Erwachsene an. Dabei entsteht ganz nebenbei ein tieferes Verständnis für die lokale Natur und dafür, wie man sie schützen kann. Für die Beobachtung von Schmetterlingen eignen sich der eigene Garten, Parks, Wiesen, Wälder oder sogar bepflanzte Verkehrsinseln.
Beobachtende können entweder spazieren gehen oder sich entspannt an einem Ort niederlassen und nach tierischen Besuchern Ausschau halten. Schmetterlinge sind typischerweise von April bis September aktiv und zwischen 10 und 17 Uhr anzutreffen. Bei Sonnenschein flattern sie schon bei Temperaturen ab 13 Grad Celsius umher, bei stärkerer Bewölkung erst ab 17 Grad Celsius. Starker Wind schränkt die Aktivität der Tiere ebenfalls ein.

Welche Schmetterlinge leben in Deutschland?
Weltweit gibt es 180.000 Schmetterlingsarten, in Deutschland kann man 3.700 von ihnen entdecken. Nur rund 190 der heimischen Arten sind Tagfalter, die übrigen gehören zu den Nachtfaltern. Sie leben aber, anders als ihr Name andeutet, teilweise auch am Tag. Unterscheiden kann man Tag- und Nachtfalter mit einem Blick auf die Fühler: Die Tagfalter haben keulenförmige Fühler. Nachtfalter haben hingegen keine Keulen an den oft gefiederten Fühlern.
Zur großen Gruppe der heimischen Nachtfalter gehören beispielsweise wunderschöne farbige Arten wie der Braune Bär. Im städtischen und ländlichen Raum kann man zudem relativ einfach Tagfalter wie den Kleinen Fuchs, das Tagpfauenauge, den Zitronenfalter und den Kohlweißling beobachten. Mit etwas Geduld entdecken Sie auch faszinierende Arten wie den blauen Hauhechel-Bläuling oder den orangen Kaisermantel.
Daten sammeln für die Wissenschaft
Bestimmungsbücher mit genauen Beschreibungen helfen beim Erkennen der Arten und liefern außerdem Informationen zu ihrem Lebensraum. Alternativ können Sie fotografierte Schmetterlinge mit Apps wie „Picture Insect“ bestimmen. Wer sich schnelle Falter genauer anschauen möchte, kann sie mit einem großen Insektenkescher fangen und vorsichtig in ein Beobachtungsglas mit Schaumstoffdeckel geben. Man sollte die Schmetterlinge aber nicht anfassen und nach wenigen Minuten wieder freilassen.
Mit Apps wie „VielFalterGarten“ oder einem Notizblock kann man seine Beobachtungen dokumentieren. Naturschutzorganisationen wie der NABU sammeln solche Daten regelmäßig, um die Entwicklung von Schmetterlingspopulationen zu verfolgen. Das Tagfalter-Monitoring am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) ermöglicht interessierten Bürgern ebenso, deutschlandweit professionelle Erfassungen zu unterstützen.
Der eigene Garten als Schmetterlingsparadies
Wer danach selbst etwas für den Schutz von Schmetterlingen tun möchte, findet viele Ansatzpunkte im eigenen Garten oder auf dem Balkon. So können Sie eine Oase für Schmetterlinge in oft eintönigen Landschaften erschaffen. Bedrohte Arten profitieren vor allem von vielfältigen Nahrungsangeboten. Dabei ist es wichtig, heimische Pflanzen anzubauen. Mit Pflanzen wie Forsythien, Bougainvillea oder Rhododendron aus anderen Regionen können deutsche Schmetterlingsarten wenig anfangen. Auch monotone Grünpflanzen wie Fichten, Kirschlorbeer und Thuja-Hecken bieten keine Nahrung für Insekten.
Stattdessen sind Wildblumenbeete beispielsweise mit Blut-Weiderich, Acker-Witwenblume oder Wiesen-Schaumkraut eine gute Idee. Auch als Unkraut unbeliebte Gewächse wie Löwenzahn, Klee, Giersch, Brennnessel und Ackerwinde können Sie an ausgewählten Stellen für Schmetterlinge stehenlassen. Der Nektar von Disteln, Thymian, Steinkraut, Lavendel und Sommerflieder ist bei Schmetterlingen besonders beliebt. Neben Brennnesseln dient die Sal-Weide als Futterpflanze für Raupen von vielen Schmetterlingsarten wie dem Schillerfalter und dem C-Falter.
Für einen schmetterlingsfreundlichen Garten sollten Sie außerdem auf Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten. Sie wollen Ihren Rasen regelmäßig mähen? Um nicht alle Verstecke und Nahrungsquellen auf einen Schlag zu zerstören, können Sie ein paar Stellen auslassen. Eine weitere Maßnahme: Durch den Kauf von torffreier Erde verhindern Sie die Zerstörung von Mooren, einem wichtigen Lebensraum gefährdeter Schmetterlingsarten.





