Meeresspiegel steigt nicht
Einige besonders warme Sommer und die Schmelzwässer waren schuld am Zusammenbruch des Larsen-Eisschelf in der Antarktis vor fünf Jahren. Eine riesige Eisscholle, etwas kleiner als das Saarland, war damals vom Schelfeis abgebrochen. Drei Jahre später folgte eine weitere riesige Eisinsel. Forscher rätselten damals, ob dies Vorboten des Klimawandels oder ganz normale Ereignisse waren.
Wie Ted Scambos und sein Team vom National Snow and Ice Data Center an der University of Colorado jetzt im Journal of Glaciology berichten, bilden sich Schmelzwassertümpel auf der Oberfläche des Eises, wenn die Temperatur null Grad übersteigt. Dringt dieses Wasser in die Gletscherspalten ein, die das Eis durchsetzen, kann es beim Gefrieren die Risse weiter aufsprengen. Eine fünf bis 15 Meter tiefe, oberflächliche Spalte kann durch diesen Vorgang 200 Meter tief aufreißen und das schwimmende Schelfeis von der Oberfläche bis zum Wasser aufspalten, erklären die Forscher. Kommt dann ein Sturm, brechen größere Fragmente vom Schelfeis ab.
Wie die Forscher berichten, hängt die Stabilität des Schelfeises von der durchschnittlichen Sommertemperatur ab: Denn je länger die Schmelzsaison mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt dauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für den Abbruch eines großen Eisbergs. Möglicherweise ist sogar das riesige Ross-Eisschelf vom Zusammenbruch bedroht. Scambos: “Unser erster Blick auf die Sommertemperaturen dort zeigt, dass die Temperaturen nur wenige Grad unter der Schwelle liegen, bei der sich Schmelzwassertümpel bilden.” Ein kleiner Trost: Die Auflösung von Eisschelfen trägt nicht direkt zum Meeresspiegelanstieg bei, da sie auf dem Wasser schwimmen.(Journal of Glaciology, Vol. 46, Nr. 154, S. 516-530)
Ute Kehse





