Zwei merkwürdige, Insekten fressende Säugetierarten aus der Karibik, die Schlitzrüssler, repräsentieren eine urtümliche Familie der Säugetiere, die sich schon vor 76 Millionen Jahren von anderen Säugetier-Familien trennte. Das stellten Stephen O’Brien vom amerikanischen National Cancer Institute und Kollegen durch molekulargenetische Untersuchungen fest.
Wie die Forscher im Fachblatt Nature (Bd. 429, S. 649) berichten, bevölkerten die Schlitzrüssler (Solenodon paradoxus) also schon zu Zeiten der Dinosaurier die Erde. Die beiden Arten, der Dominikanische und der Kubanische Schlitzrüssler, die jeweils auf den Inseln Hispaniola und Kuba leben, entwickelten sich vor 25 Millionen Jahren auseinander. Genau zu diesem Zeitpunkt wurden die beiden Inseln durch die Plattentektonik getrennt, schreiben die Forscher.
Das deutet darauf hin, dass die Tiere schon immer in der Karibik lebten und sich nie über große Distanzen verbreitet haben. Damit bevölkerten sie eine besonders gefährliche Gegend: Vor 65 Millionen Jahren schlug ganz in der Nähe, auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan ein zehn Kilometer großer Meteorit ein. Diese Katastrophe raffte wahrscheinlich die Dinosaurier, Flugsaurier, Fischsaurier und viele andere Tierarten dahin. Die Schlitzrüssler überlebten das Desaster zwar um viele Jahrmillionen, doch jetzt ist ihr Schicksal unsicher: Seit die Menschen und vor allem ihre Haustiere in die Karibik kamen, sind die putzigen Insektenfresser stark bedroht. Hunde und Katzen machen Jagd auf die etwa 30 Zentimeter großen Tiere. Während der Dominikanische Schlitzrüssler im stark verwüsteten Haiti kaum noch Lebensräume hat, steht der Kubanische Schlitzrüssler mittlerweile immerhin unter Schutz.
Ute Kehse





