Eine wichtige Verbindung – aber nur vor der Geburt
Tamm erklärt den Hintergrund: “Nach der Embryonalperiode ist das Herz prinzipiell schon so aufgebaut wie beim Erwachsenen, es fehlt aber noch die Atmung über die Lunge”. Das vorgeburtliche Herz pumpt das Blut noch über die Nabelschnur zur Plazenta der Mutter. Dort wird es mit Sauerstoff angereichert und im Körper des Kindes verteilt. Das nachgeburtliche Herz muss dagegen zwei Kreisläufe antreiben: Die rechte Herzseite ist für den Lungenkreislauf zuständig, die linke für den Körperkreislauf. Dabei wird das Blut von rechts in die Lunge gepumpt, von hier fließt es dann zur linken Herzseite zurück, die das sauerstoffreiche Blut wiederum in den großen Körperkreislauf drückt.
Für das Kind im Mutterleib hat dieser Lungenkreislauf aber noch kaum Bedeutung. Das Foramen ovale stellt deshalb eine Verbindung zwischen den beiden Kreisläufen her. Das Blut umgeht dadurch den Lungenkreislauf und gelangt vom rechten direkt in den linken Vorhof und damit in den Körperkreislauf.
Das Ventil schließt und verwächst
“Das Loch in der Scheidewand ist aufgebaut wie ein Ventil”, erklärt Tamm. Die Wände, die das Loch begrenzen, überlappen und öffnen sich nur zu einer Seite. Drückt das Blut dagegen, öffnet sich das Ventil zum linken Vorhof und ermöglicht den Kurzschluss vom rechten zum linken Kreislauf. Genau das ändert sich mit den ersten Atemzügen: Das Blut im rechten Vorhof strömt jetzt über die rechte Herzkammer in die Lunge. Dadurch überwiegt der Blutdruck in der linken Kammer und drückt die Wände der Öffnung automatisch zu.
Im Normalfall beginnen sie dadurch miteinander zu verwachsen und verschließen das Loch dauerhaft. “Bei manchen Menschen sind allerdings die Wände des Foramen ovale dafür zu kurz”, sagt Tamm. Dadurch bleibt eine Öffnung erhalten und kann die Funktion des Herzens beinträchtigen. Dabei handelt es sich um einen der häufigsten angeborenen Herzfehler beim Menschen.
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