Ein männlicher Laubenvogel ist bei der Balz umso erfolgreicher, je kreativer er als Baumeister seine “Lauben” gestaltet. Die dazu benötigten geistigen Fähigkeiten haben im Verlauf der Evolution zur Entwicklung eines ungewöhnlich großen Gehirns geführt. Zu dieser Schlussfolgerung kommt der britische Zoologe Joah Madden von der University of Sheffield, wie die Zeitschrift “Science” in ihrem Online-Angebot berichtet.
Madden untersuchte 70 ausgestopfte Museumsexemplare verschiedener Arten von Laubenvögeln. Anhand von Röntgenaufnahmen der Schädel berechnete er deren Gehirnvolumen. Dabei stellte sich heraus, dass die Tiere ein um 80 Prozent größeres Gehirn besitzen als gleich große andere Vögel.
Auch untereinander unterschieden sich die Laubenvögel in dieser Hinsicht: Eine Art, die besonders aufwändige Prachtlauben baut, hatte bis zu zehn Prozent mehr Hirn als andere, die sich weit weniger Mühe machen.
Nach Ansicht von Madden setzt die bei diesen Vögeln typische Bautätigkeit besonders komplexe geistige Fähigkeiten voraus. Der Konkurrenzdruck unter den Männchen der gleichen Art habe daher zur Evolution eines immer größeren Gehirns geführt.
Die Laubenvögel leben in Australien und Neuguinea. Als Teil des Balzverhaltens bauen die Männchen aus verschiedenen pflanzlichen Materialien Gebilde, die an Hütten, Alleen, Gärten und Vorhöfe erinnern. Oft werden diese Lauben noch mit Steinen, Muscheln, Knochen und anderen Gegenständen verziert. Sie dienen nur der Balz und werden nicht als Nest benutzt.
Joachim Czichos





