Die Schlangen verbrauchten in der Hungerphase deutlich weniger Sauerstoff, stellte der Forscher fest. Damit ging eine Reduktion des Stoffwechsels von 72 Prozent einher. Wie den Schlangen dies gelingt, ist McCue noch schleierhaft. Besonders in den Zellen der Großverbraucher des Körpers wie dem Herzen und der Leber wird in dieser Zeit weniger Energie verbraucht, vermutet der Forscher. Es kommt noch hinzu, dass Schlangen ihre Fettreserven in Hungerphasen sehr viel stärker ausnutzen können als andere Tiere, erklärt der Forscher. Mit diesem Evolutionsvorteil hätten die Hungerkünstler die vergangenen hundert Millionen Jahre auch in schlechten Zeiten gut überstanden, während andere Tiere ausstarben.
Schlangen können lange Hungerperioden mit einem besonderen Mechanismus durchstehen: Sie senken den körpereigenen Stoffwechsel und verbrauchen dadurch weniger Energie. Das hat Marshall McCue von der Universität von Arkansas in Fayetteville herausgefunden. In diesem Standby-Modus bleiben sie aber wach und können fürs nächste Häppchen blitzschnell zuschnappen. Damit unterscheidet sich diese Überlebensstrategie deutlich beispielsweise vom Überwintern bei Bären oder Igeln. Vermutlich haben es die Schlangen mit dieser Taktik geschafft, bei wechselnden Umweltbedingungen die vergangenen hundert Millionen Jahre gut zu überstehen.
Bislang waren den Forschern nur zwei Möglichkeiten bei Tieren bekannt, lange Hungerperioden zu überstehen. So können beispielsweise Pinguine ihre Körpertemperatur absenken, während sich Eisbären und Igel sich eine Fettschicht anfuttern. Bei den Schlangen entdeckte McCue nun einen weiteren Mechanismus. Der Zoologe ließ drei Schlangenarten, einen Königspython, eine Klapperschlange und eine Giftnatter, für 168 Tage hungern. In dieser Zeit hielt er das Terrarium auf einer konstanten Temperatur von 27 Grad Celsius. Die Schlangen konnten somit auf die Ruhephase nicht mit dem Senken ihrer Körpertemperatur reagieren.
Nature, Onlinedienst Marshall McCue (University of Arkansas, Fayetteville): Zoology, Bd. 110, S. 318 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





