Nachbarn von Viehmärkten in Ostafrika leben gefährlich: Sie tragen ein überdurchschnittlich hohes Risiko, mit dem Erreger der Schlafkrankheit infiziert zu werden. Dies gilt auch für Regionen, in die die Schlafkrankheit bisher nicht vorgedrungen war, wie Forscher aus Schottland und Uganda in der Fachzeitschrift The Lancet berichten (358, 625-28).
Angestoßen wurden die Untersuchungen dadurch, dass die Schlafkrankheit auf einmal in einer ugandischen Region auftrat, in der sie bisher nicht vorgekommen war. Als Quelle der Infektion ermittelten die Wissenschaftler einen Viehmarkt, an dem mehr als 50 Prozent der Rinder aus Schlafkrankheit-Befallsgebieten gehandelt werden.
Seit langem ist bekannt, dass einige Haus- und Wildtierarten als Erregerreservoir für die Schlafkrankheit dienen. Bei dem zu den Protozoen gehörenden Erreger der Afrikanischen Schlafkrankheit (Trypanosomose) handelt es sich in Ostafrika um Trypanosoma brucei rhodesiense. In Westafrika ist dagegen die Unterart gambiense verbreitet.
Die ostafrikanische Erreger-Unterart der Schlafkrankheit ist hoch virulent: Im Primärstadium der Krankheit treten beim Patienten vor allem Fieber und Kopfschmerzen auf. Das Sekundärstadium ist durch das Eindringen der Protozoen in die Blut- und Lymphbahn gekennzeichnet. Im Tertiärstadium kommt es zum Einbruch der Trypanosomen in das Zentrale Nervensystem. Wird die Krankheit nicht behandelt, kann sie nach wenigen Wochen zum Tod führen.
Auf den Menschen wird die Schlafkrankheit durch den Stich von Tsetsefliegen übertragen. Dabei handelt es sich um Fliegen der Gattung Glossina, die sechs bis zwölf Millimeter lang werden können und sich durch einen waagerecht vorgestreckten Saugrüssel auszeichnen. Biologisch interessant an Tsetsefliegen ist, dass sie keine Eier, sondern verpuppungsreife Larven ablegen.
Dr. Sebastian Messerschmid





