Wenn sich die Kleine Wollfledermaus (Kerivoula hardwickii) zu einem Schläfchen zurückzieht, sucht sie keine Höhle und kein Baumloch auf. Der liebste Schlafplatz des auf Borneo heimischen Flatterers ist das Innere der fleischfressenden Kannenpflanze Nepenthes rafflesiana. Diese ungewöhnliche Partnerschaft haben Forscher um Ulmar Grafe von der Universität Würzburg entdeckt. Bei Kannenpflanzen bildet ein Teil der Blätter schlauchförmige Gebilde, von deren Rand und Innerem Insekten abrutschen und in ein Sekret fallen, das die Tiere verdaut. Den daraus frei werdenden Stickstoff benötigen die Pflanzen unter anderem zur Produktion von Blattgrün. Doch Nepenthes rafflesiana bezieht ihren Stickstoff nicht nur aus Insekten. Denn die Fledermaus, die in der Kanne Unterschlupf findet, revanchiert sich damit, dass sie dort ihre Fäkalien ausscheidet. Die Pflanze deckt mehr als ein Drittel ihres Stickstoffbedarfs aus den Hinterlassenschaften ihres Besuchers.





