Ein uraltes Erfolgskonzept: Vor über 220 Millionen Jahren haben Reptilien erstmals das spezielle Panzer-System entwickelt, das bis heute die Schildkrötenarten der Welt prägt. Im Laufe der Entwicklungsgeschichte brachten diese Tiere anschließend eine große Vielfalt hervor und konnten sich dabei auch unterschiedliche Lebensräume erobern. Im Gegensatz zu den Dinosauriern gelang es einigen Vertretern der Schildkröten offensichtlich auch, das Massensterben am Ende der Kreidezeit zu überstehen. Heutzutage bevölkern nun 357 Schildkrötenarten die Meere sowie unterschiedliche Süßwasser- und Landökosysteme.
Von groß bis klein – die Artenvielfalt im Blick
Die aktuellen Informationen zu all diesen Vertretern der gepanzerten Reptilien hat nun ein internationales Wissenschaftlerteam um Uwe Fritz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden für die neue Auflage des Atlas „Turtles of the World“ zusammengetragen. Ein buchstäblich herausragender Vertreter ist dabei die Meeresschildkröte Dermochelys coriacea: Ihr ledriger Panzer erreicht Längen von bis zu 226 Zentimetern. An Land hält die Seychellen-Riesenschildkröte Aldabrachelys gigantea mit einer Panzerlänge von bis zu 138 Zentimetern den Rekord. Am unteren Ende steht wiederum die Vallarta-Schlammschildkröte Kinosternon vogti: Ihr Schild wird nur rund 10,2 Zentimeter lang.
Damit sind nur drei der vielen interessanten Schildkrötenarten des Atlas genannt: „Wir liefern hier eine Zusammenstellung aller 357 wissenschaftlich anerkannten und heute noch lebenden Schildkrötenarten der Welt“, sagt Fritz. „Aber damit nicht genug: In der neuen Auflage beleuchten wir auch den Gefährdungszustand der Schildkröten und vergleichen deren ursprüngliche Lebensräume mit der heutigen Verbreitung. Damit wollen wir der nationalen und internationalen Gesetzgebung und dem Natur- und Artenschutz eine solide Handlungsgrundlage bieten“, so der Wissenschaftler.
Der Hälfte droht das Aus
Konkret richtet sich der sorgenvolle Blick dabei auf 171 Schildkrötenarten: Etwa die Hälfte aller Spezies ist als bedroht anzusehen, betonen die Wissenschaftler. Die Schildkröten gehören damit zu den am stärksten gefährdeten Wirbeltieren weltweit – nur die Primaten tauchen prozentual noch häufiger in der Liste der bedrohten Tierarten auf. „Besonders die großen Schildkrötenarten sind in Gefahr, da sie auf spezielle Lebensräume angewiesen sind“, sagt Fritz. „So stehen etwa die großen asiatischen Schildkröten vor der Ausrottung, die ursprünglich in Flussmündungen oder Flüssen verbreitet waren. Ihre Lebensräume werden immer kleiner, die Eier werden von Menschen geplündert und die großen Tiere selbst heute noch geschlachtet, um sie zu essen“, so der Biologe.





