Die landwirtschaftlichen Bedingungen auf der größten Insel der Welt sind nicht gerade optimal. Grönland ist zu 80 Prozent von Eis bedeckt, die Vegetation spärlich. Trotzdem hat die Schafzucht hier eine lange Tradition. Auch der Anbau von Gemüse soll Grönland unabhängiger von Importen machen.
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Text und Fotos: Nicole Graaf
Grönländer stehen auf Steckrüben. Deshalb hat Kim Neider ein ganzes Feld davon angelegt: weiße Knollen, rund und bauchig, etwa doppelt so groß wie ein Hühnerei, an langen hellgrünen Blättern. Ein paar Meter weiter stehen Kohlköpfe in ihrem Blätterkleid, der Brokkoli daneben ist zum Ende der Saison schon in die Höhe geschossen und leicht gelb. „Vielleicht noch eine Woche, dann werde ich den Rest des Gemüses häckseln und untergraben“, plant Neider. Mit kurzem Vollbart und etwas wildem weiß-blondem Haar erinnert der Anfang 60-Jährige an einen alten Seemann. Doch der Däne ist Gärtner von Beruf und nun im dritten Sommer auf der staatlichen Versuchsfarm im südgrönländischen Upernaviarsuk. Bevor er herkam, hat er sieben Jahre in Island gelebt und sich um die Stadtbegrünung von Reykjavik gekümmert.
Vom Hügel hier blickt man auf einen Fjord und eine kleine Insel, die nur aus einem Berg besteht. Im Wasser treibt ein riesiger Eisblock mit schnurgerader Oberfläche, von der Sonne in gleißendes Weiß getaucht.
Simon Simonsen ist an diesem Sonntagnachmittag mitsamt Familie die 15 Minuten mit dem Boot herübergekommen, um ein paar der Steckrüben zu erstehen. Er war einige Jahre Bürgermeister von Qaqartoq, dem Verwaltungszentrum Südgrönlands mit rund 3.000 Einwohnern. Gemüse wachsen zu sehen, ist ein äußerst seltener Anblick auf der zum größten Teil von einer kilometerdicken Eisschicht bedeckten Insel zwischen dem Nordatlantik und dem Nordpolarmeer. Nur im klimatisch milderen Süden ist das möglich.
Frisches Gemüse
Die in Grönland beheimateten Inuit lebten zu früheren Zeiten vor allem von der Jagd auf Robben und Wale sowie Wildtiere wie Moschusochsen und Rentiere. Heute dominiert die Fischerei die grönländische Wirtschaft. Aber um unabhängiger von Importen zu werden, möchte die grönländische Regierung im Süden den Gemüseanbau weiterentwickeln.
Von dem Posten auf der kleinen Farm hat Neider in einer Zeitungsannonce gelesen. „Die Aufgabe klang sehr spannend“, sagt er. Sie besteht darin, zu testen, was in der kurzen Saison zwischen Mai und September am besten gedeiht und wie man es mit Blick auf einen späteren Verkauf an die lokalen Supermärkte so anbaut, damit sich der Ertrag gleichmäßig über die Saison verteilt. „Wenn man zum Beispiel in einer Woche mit einer ganzen Palette Blumenkohl kommt und dann vier Wochen nichts erntet, dann kann der Supermarkt nicht planen“, erklärt Neider.
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Er lebt in einem kleinen grün gestrichenen Holzhaus neben der Farm. Das Wohnzimmer ist einfach, aber gemütlich eingerichtet, mit einem großen Holztisch, einem Bücherregal, in dem seine Bildbände mit Pflanzen Platz finden. Neiders Border Collie Molly liegt gern auf dem großen alten Sofa. „Sie leistet mir Gesellschaft“, sagt er und tätschelt den Kopf der Hündin, die immer in seiner Nähe ist. Das Leben kann hier recht einsam sein. Grönland hat insgesamt nur knapp 57.000 Einwohner, 19.000 davon leben in der Hauptstadt Nuuk.
Jetzt, Mitte September zeigt das Thermometer noch zweistellige Temperaturen. Im Gewächshaus neben den Freilandfeldern zieht Neider im Frühjahr einige der Gemüsesorten vor. So sprießen dort Tomaten und mediterrane Kräuter wie Basilikum und Rosmarin. Im vorderen Teil wachsen Erdbeeren. Ein paar der Früchte hängen noch.
Importierte Waren wie Salate oder Blumenkohlköpfe in grönländischen Supermärkten machen häufig einen recht traurigen Eindruck. Und der Geschmack ist auch kein Vergleich zu den frischen regionalen Erzeugnissen. Die Steckrüben von diesem Feld beispielsweise schmecken nussig und sehr aromatisch. „Wir essen sie gern mit getrocknetem Seehundfleisch oder Fisch oder als Einlage zu Lammsuppe“, erzählt Simonsen.
Geduldig beantwortet Neider ein paar Fragen, während er Simonsens Mutter Rhabarber in eine Tüte packt. Mit dem Gemüse laufe es gut, sagt der Gärtner: „Wegen des kühlen Klimas gibt es hier so gut wie keine Schädlinge. Wir müssen also nicht spritzen.“ Dies könnte sich jedoch durch den Klimawandel ändern, meint er. Das größte Problem wird dann sein, dass eingeschleppte Schädlinge keine natürlichen Feinde in Grönland haben und deshalb schnell zur Plage werden können.
Neider setzt sich mit den Simonsens an einen Holztisch unter einem kleinen Baum – Letzterer ebenfalls ein seltener Anblick in der kargen Landschaft. Während seine Kinder zwischen den Feldern herumtoben, zückt Simon Simonsen ein Taschenmesser, und schneidet sich ein Stück von einer frisch geernteten Steckrübe ab.
Traditionsreiche Schafzucht
Landwirtschaft hat in Südgrönland eine sehr lange Tradition: Um etwa 982 wurde der norwegische Wikinger Erik der Rote aus seiner zweiten Heimat Island verbannt und segelte zum heutigen Grönland. Ein paar Jahre später holte er einige Landsleute nach. Sie siedelten gemeinsam mit den lokalen Inuit im Süden der Insel, welche Erik „Grünland“ taufte. Die Wikinger brachten unter anderem ihre Kultur als Schafzüchter mit. Überliefert ist auch, dass sie Getreide anbauten, mit dem sie Bier brauten.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts verschwanden die Wikinger plötzlich wieder von der Insel. Bisher glaubten Wissenschaftler, eine kleine Eiszeit habe sie zum Aufgeben gezwungen; nach neueren Erkenntnissen war der Grund jedoch eine mehrere Jahre anhaltende Dürre.
Mit dem Verschwinden der Wikinger geriet die Schafzüchterkultur in Grönland zunächst in Vergessenheit – bis die Dänen Anfang des 20. Jahrhunderts einen neuen Versuch starteten. Letzten Oktober feierten die inzwischen rund drei Dutzend grönländischen Züchterfamilien ihr 100-jähriges Jubiläum mit einem großen Fest. Als ihr Pionier gilt Otto Frederiksen, ein Mann aus Qaqartoq. Er arbeitete als Tischler für die dänische Zuchtstation und lernte, mit den Schafen umzugehen. 1924 machte er sich schließlich mit einer Herde von 165 Mutterschafen in Qassiarsuk selbstständig. Die Siedlung gehört heute zur Weltkulturerbestätte Kujataa, wo man noch Überreste und Replika der Wikingerbehausungen und einer historischen Versammlungsstätte besichtigen kann.
Schule für Schafzüchter
Unweit von Neiders Gemüsefarm, ein paar Hundert Meter weiter Richtung Ufer, liegt eine kleine Internatsschule für angehende Schafzüchter. Hierher schicken die Züchterfamilien ihre Hoferben, im Gemeinschaftsraum hängen Fotos früherer Jahrgänge. Sechs bis sieben Schüler finden hier Platz. Zwei absolvieren derzeit Praktika in Island und Norwegen. Gerade haben die angehenden Züchter den Schafabtrieb hinter sich. Die Tiere zu versammeln und gleichzeitig die Lämmer für den Transport zum Schlachthof von den rund 150 Mutterschafen zu trennen, war harte Arbeit, denn das Terrain ist schroff und felsig. Hier und da durchkreuzen kleine Bachläufe die von Gräsern und Heidekraut bedeckte Landschaft.
Nach dem Abtrieb haben auch Randi und Inooraq Nielsen ein paar Tage Pause, bevor der Unterricht wieder beginnt. Die beiden leiten die Schule. Am späten Nachmittag sitzen sie am Küchentisch bei Kaffee und süßem Brot, das Randi Nielsen selbst gebacken hat. Die 28-Jährige hat wie ihr Mann das typisch rundliche Gesicht einer Grönländerin, aber ihre Haare sind dunkelblond. Wegen der fast 300 Jahre währenden Kolonialisierung haben zahlreiche Grönländer auch Dänen und andere Europäer unter ihren Vorfahren.
Randi Nielsen kümmert sich um die Internatsschüler, kocht für sie und packt bei den Schafen mit an. Außerdem unterrichtet sie ihre vier- und sechsjährigen Töchter. In einem kleinen Zimmer neben dem Wohnzimmer hat sie Buchstaben und Wörter an die Wand geklebt. Die Kinder der Schafzüchter lernen im Heimunterricht, denn die Farmen liegen zu weit weg von den größeren Siedlungen. Randi Nielsen stammt auch aus einer solchen Familie. „Ich bin es gewohnt“, sagt sie mit Blick auf die Abgeschiedenheit und die schwere körperliche Arbeit. „Aber für die Schüler ist es manchmal hart, dabeizubleiben. Zwei haben dieses Jahr schon aufgehört.“ Hohe Abbrecherquoten sind in allen Schulen Grönlands ein Problem. Die Kinder aus den kleineren Siedlungen müssen bereits mit 13 oder 14 Jahren ihr zu Hause verlassen, weil es dort keine weiterführenden Schulen gibt. Viele bekommen Heimweh.
2015 hatten die Nielsens zunächst die Farm von Inooraqs Onkel nahe Alluitsup-Paa weitergeführt, der sie wiederum einst von den Großeltern übernommen hatte. Aber sie kamen damit nicht so recht auf die Beine. Das Weideland liegt ungünstig, nicht wie in Upernaviarsuk ein wenig geschützt im Inneren eines Fjords, sondern nah am offenen Meer. „Unter allen Farmen herrscht dort das kälteste Klima. Das Gras wächst deshalb nicht so gut und die Schafe auch nicht“, sagt Inooraq Nielsen. Sie mussten immer wieder Gras neu aussäen, weil die Heuwiesen den Winter nicht überstanden.
Inooraq Nielsen spricht in hauchigen, kehligen Lauten und flüstert dabei fast. Seine Frau übersetzt für ihn, denn er spricht nur Grönländisch. „Ein Freund führt fürs Erste unsere Farm weiter“, erzählt er. Ob die Familie irgendwann zurückkehren oder verkaufen wird, weiß sie noch nicht.
Herausforderungen für Schafzüchter
Vom Fenster ihres holzgetäfelten Hauses blickt Ellen Frederiksen auf den Tunuliarfik-Fjord. Ein paar kleine Eisberge dümpeln in dem tintenblauen Wasser. Manche leuchten blau und durchscheinend wie Glas. Ellen Frederiksens Mann Carl ist ein Enkel von Otto Frederiksen, dem Vorreiter der grönländischen Schafzüchter. Die Familie lebt heute noch in Qassiarsuk. Ellen Frederiksen trägt Hornbrille, einen Wollpullover und ihre grau melierten Haare kinnlang. Sie ist kürzlich in Rente gegangen und hat zuvor als Lehrerin in Narsaq gearbeitet, rund eine Bootsstunde den Fjord hinunter. Das Weidegebiet von Qassiarsuk erstreckt sich auf etwa der Hälfte dieses Areals, rund 25 Kilometer entlang der Küste.
Die Frederiksens allein halten etwa 600 Mutterschafe. Beim Schafabtrieb arbeiten die sechs Züchterfamilien des Ortes zusammen. „Dafür brauchen wir rund 14 Tage,“ erzählt Ellen Frederiksen. „Mein Mann und mein Sohn reiten mit Pferden raus, manchmal kommen sie erst nachts um drei zurück.“
Rund 900 Lämmer konnten die Frederiksens in dieser Saison ans Schlachthaus verkaufen. Ellen Frederiksen ist ganz zufrieden. Aber die Herausforderungen wachsen, sagt sie – nicht zuletzt durch den Klimawandel. Dieser erschwert auch das Alltagsleben der Farmer. Wenn in manchen Jahren der Fjord nicht mehr richtig zufriert, kann man weder mit dem Quad noch mit dem Boot die etwa fünf Kilometer nach Narsarsuaq zum Einkaufen fahren. Das kommt immer häufiger vor. „Wir stecken manchmal monatelang fest“, erzählt Ellen Frederiksen. Der kleine Lebensmittelladen in Qassiarsuk muss daher Grundnahrungsmittel auf Vorrat halten. „Das Wetter wird immer unberechenbarer“, sagt Frederiksen. Die Sommer werden zwar länger, paradoxerweise aber kälter. Das liegt an dem immer schneller schmelzenden Eisschild Grönlands. Die gekalbten Eisberge treiben im Sommer in die Fjorde und kühlen auch das Land ab. In der Folge wächst das Gras langsamer und die Schafe setzen weniger Fleisch an.
Die Heuwiesen, die im Frühjahr angelegt werden, produzieren nicht mehr genug Heu, um die Herden durch den Winter zu bringen. „Wir müssen inzwischen 50 bis 80 Prozent Futter zukaufen“, sagt Ellen Frederiksen. Wie die meisten Waren in Grönland, wird dieses aus dem Ausland importiert. Manchmal schmilzt der Schnee, der die Wiesen im Winter schützt, auch zu früh und gibt das Gras etwaigem Frost preis. Es kann dadurch schlimmstenfalls absterben. Für die Züchter bedeutet all das weniger Ertrag bei hohen Mehrkosten.
Die Saison 2023 gipfelte für einige in einer Katastrophe: Weil der Herbst recht mild begann, ließen manche ihre Tiere noch länger in den Bergen weiden. Das spare Futter, so das Kalkül. Dann brach plötzlich ein Schneesturm herein und zahlreiche Schafe blieben im Schnee stecken und verendeten. Die Frederiksens hatten ihr Vieh glücklicherweise rechtzeitig von den Weiden geholt. Aber andere verloren einen großen Teil ihrer Herde.
Angesichts solcher Herausforderungen geben viele auf. „Als ich 1986 hierherkam, gab es insgesamt rund 50 Schafzüchter, jetzt sind wir nur noch 32“, sagt Ellen Frederiksen. Daneben gibt es noch zwei Züchter, die Galloway- und Dexter-Rinder halten, und einen mit Rentieren sowie eine Schaffarm nahe Nuuk.
Die staatlichen Rahmenbedingungen erschweren den Züchtern das Leben zusätzlich. Neugründungen sind demnach nicht erlaubt, man darf nur eine bestehende Farm übernehmen. Privaten Landbesitz gibt es nicht in Grönland, nur ein Nutzungsrecht. Außerdem muss jemand, der eine Farm übernimmt, auch etwaige Schulden seines Vorgängers übernehmen. Diese Regel soll nun zwar geändert werden, aber bisher schreckte sie viele ab. Auch ist für eine Farm kaum ein Bankkredit zu bekommen.
Für mehr Unabhängigkeit
Allein mit Schafzucht über die Runden zu kommen, ist in Grönland nicht einfach. Rund 7,60 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht bringt ein Schaf den Züchtern derzeit umgerechnet ein. Dieser Preis bezieht sich auf das Gewicht, nachdem Fell, Kopf und Innereien entfernt wurden. Dabei bleibt etwa die Hälfte des Lebendgewichts übrig. Die Preise werden zwischen dem staatlichen Schlachthaus Neqi in Narsaq und der Züchtervereinigung jedes Jahr verhandelt. Neqi ist das einzige Schlachthaus in Grönland, seine Geschäfte führt Ole Vestergaard. Der Däne ist seit etwa fünf Jahren hier. Er rechnet vor, warum er den Züchtern nicht viel mehr zahlen kann: „Nur rund 70 Prozent des Schlachtgewichts können wir verwenden. Der Rest sind Knochen und Fett, das entfernt wird. Rund fünf bis zehn Prozent des Gewichts gehen noch beim Einfrieren verloren.“ Dazu kommen Transport und Lohnkosten für rund 30 Festangestellte und etwa 70 Saisonkräfte, und wenn eine Maschine kaputtgeht, müssen Ersatzteile aus dem Ausland beschafft werden.
Das Schlachthaus verkauft sein Lammfleisch an grönländische Supermärkte. Dort ist importiertes Geflügel- und Schweinefleisch jedoch wesentlich günstiger zu haben. Lammfleisch von außerhalb wäre auch um einiges billiger, würde es nicht mit Zöllen belegt.
„Aber das grönländische schmeckt viel besser“, findet Vestergaard selbstbewusst, und das ist nicht übertrieben. Die Freilandhaltung und die Kräuter auf den Weiden geben ihm ein besonderes Aroma.
Exportiert wird das grönländische Fleisch nicht. Das wäre zu teuer, weil erst ein Gutachter aus Dänemark bestellt werden müsste, der das nötige Siegel für die Einfuhr in die EU vergibt. Nur die Felle werden nach Polen verkauft. „Aber der Preis dafür deckt gerade einmal die Transportkosten“, sagt Vestergaard. Bis vor ein paar Jahren nahm eine Spinnerei den Züchtern noch die Wolle aus der jährlichen Schur ab, rund 20.000 Tonnen. Aber seitdem sie Konkurs angemeldet hat, muss die Wolle verbrannt werden. Auch das Schlachthaus macht Minus und wird subventioniert.
Um die Produktion für Züchter profitabler zu gestalten, berät die staatliche Agentur Innovation South Greenland (ISG) sie zu Planung und Finanzierung und vermittelt ihnen neue Methoden.
Ellen Frederiksens Sohn Henrik ist hier Chefberater im Bereich Landwirtschaft. „20 Züchter nutzen inzwischen ein Computerprogramm, das wir aus Island übernommen haben“, erzählt der Mitte 30-Jährige. Damit können sie Daten über die Zahl der neugeborenen Lämmer, ihr Gewicht und die Menge an Futter sammeln, was ihnen bei der Planung hilft.
In Grönland haben sehr viele Betriebe Schwierigkeiten, profitabel zu wirtschaften, private wie staatliche. Das liegt zum einen an der Geografie: Allein die Westküste Grönlands, wo die allermeisten Siedlungen liegen, ist rund 2.700 Kilometer lang. Straßen zwischen den einzelnen Orte gibt es so gut wie nicht. Waren über den Luft- und Wasserweg zu transportieren, ist aufwendig und teuer. Und bei der geringen Bevölkerungszahl kommt das Prinzip von Angebot und Nachfrage an seine Grenzen. Es gibt kaum Konkurrenz, da in vielen Bereichen staatliche Unternehmen ein Monopol halten. Doch nur so lässt sich eine Grundversorgung sicherstellen.
Auch wenn sich die USA unter Donald Trump Grönland gern einverleiben würden, wollen die allermeisten Grönländer, dass ihr Land vollständig unabhängig wird – auch von Dänemark, von dem man sich immer noch kolonialisiert fühlt, obwohl Grönland sich seit 2009 weitgehend selbst verwaltet. Aus Kopenhagen kommen auch rund 30 Prozent des Staatshaushalts. Grönland bemüht sich, wirtschaftlich autarker zu werden. Falls es irgendwann zu einer vollständigen Unabhängigkeit kommt, wird die Fähigkeit, sich selbst zu versorgen, noch wichtiger werden. Die Regierung hat zugunsten der Landwirtschaft und anderer Projekte, die die Selbstversorgung fördern, für 2025 einen Fördertopf mit rund 300.000 Euro eingerichtet.
Auch die Versuchsfarm von Upernaviarsuk untersteht der ISG. Neben dem Experimentieren mit passenden Sorten ist Kim Neiders Auftrag, Interessierte im Anbau anzuleiten. Sie erhalten dazu von ihm auch kostenlos Setzlinge. Bisher ziehen einige Grönländer lediglich in ihren Vorgärten ein wenig Gemüse für den Eigenbedarf. Manche Schafzüchter haben ein kleines Feld mit Kartoffeln und Steckrüben, die aber auch nicht für den Verkauf gedacht sind. „Es wäre schön, wenn sich am Ende jemand mit Gemüseanbau selbstständig macht“, sagt Kim Neider. „So könnte ich ein Ergebnis meiner Arbeit sehen. //
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