Wie viel Gewicht eine ausgestorbene Tierart einst auf die Waage brachte, ist eines der Dinge, die Paläontologen an Tierfossilien am meisten interessieren. Um dies herauszufinden, stehen ihnen zwei Standardmethoden zur Verfügung: Entweder erstellen die Forscher ein Modell des Tierkörpers und berechnen dessen Masse mithilfe seiner Dichte. Alternativ können sie das Gewicht eines ausgestorbenen Tieres anhand einer Gleichung abschätzen, die auf dem Zusammenhang zwischen den Skelettdimensionen und dem Gewicht heutiger Arten beruht. Beide Methoden haben jedoch ihre Tücken, denn die erste ist extrem zeitaufwändig und die zweite sehr ungenau. Umso besser stehen die Chancen für eine neue Methode, die Wissenschaftler der Universität Manchester nun präsentierten, sich als Standard für die Gewichtsbestimmung ausgestorbener Tiere zu etablieren: Die Forscher testeten, wie genau sich das Gewicht von Tieren abschätzen lässt, wenn man die entsprechenden Skelette mit einem Laser abscannt. Dazu verwendeten sie die Skelette von 14 heute lebenden großen Säugetierarten wie Eisbären, Giraffen und Elefanten. Mithilfe der Daten aus dem Scanning rekonstruierten die Wissenschaftler ein dreidimensionales Modellskelett. Anschließend berechneten sie das minimale Volumen, das nötig ist, um das Skelett zu umhüllen. Zuletzt schätzten sie das Gewicht der Tiere ab, indem sie die Dichte von Pferden zugrunde legten. Im Vergleich zum tatsächlichen Durchschnittsgewicht der einzelnen Arten erwiesen sich die Ergebnisse der Schätzung als überraschend robust. ?Wir haben die Methode an 14 großen Säugetierskeletten getestet und gezeigt, dass das Körpergewicht dabei konstant um 21 Prozent unterschätzt wird?, sagt Erstautor William Sellers. Die Autoren erklären dieses Ergebnis so, dass das im Vergleich zum Minimum zusätzliche Volumen vor allem aus Muskelgewebe besteht. Und das Gesamtmuskelgewicht ist meist proportional zum Gesamtgewicht des Körpers. So können Laserstrahlen dabei helfen, das Gewicht von Tieren anhand ihrer Skelette erstaunlich genau abzuschätzen: Bild oben: Originalskelett eines Eisbären; Mitte: mithilfe von Laserscanning gewonnenes Abbild; unten: Minimalhülle um das Skelett. Das anhand der Minimalhülle ermittelte Körpergewicht lag bei allen getesteten Säugetierarten um genau 21 Prozent zu niedrig. Bild: Sellers et al., Biology Letters (2012) Eine besonders interessante Erkenntnis brachte die Anwendung der neuen Methode auf das Skelett eines Brachiosauriers (Giraffatitan brancai): Früheren Schätzungen zufolge soll der Gigant bis zu 80 Tonnen schwer gewesen sein. Die Studie aus Manchester legt nun nahe, dass dieser Wert wohl um ein Vielfaches zu hoch lag: Die neue Methode bemaß das Gewicht des Brachiosauriers auf gerade einmal 23 Tonnen. ?Unsere Methode liefert eine viel genauere Einschätzung und zeigt, dass Dinosaurier, obwohl durchaus gewaltig, doch nicht ganz so schwer waren wie bisher angenommen?, bewertet Sellers das Ergebnis der Studie. Die genaue Gewichtsabschätzung der laserbasierten Methode wird dadurch ermöglicht, dass sie jede verfügbare Skelettinformation nutzt, schreiben die Forscher. Zudem benötige sie relativ wenig Zeit und liefere robuste Daten. Einen Nachteil gibt es zwar auch: Man braucht eine Rekonstruktion des gesamten Skeletts, wofür ein einzelner Knochenfund nicht ausreicht. Trotzdem sind die Forscher davon überzeugt, dass die neue Methode die momentan beste Möglichkeit darstellt, das Gewicht von ausgestorbenen Tieren abzuschätzen.
William I. Sellers (University of Manchester) et al.: Biology Letters doi:10.1098/rsbl.2012.0263 © wissenschaft.de – Maren Emmerich





