Fische, die in Korallenriffen leben, lassen sich von Sauerstoffmangel im Wasser nicht beeindrucken. Diese ungewöhnliche Eigenschaft entdeckten norwegische Forscher bei 31 verschiedenen Bewohnern des Großen Barrier-Riffs vor der Küste Australiens. Über ihre Ergebnisse berichten die Biologen in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B (Online-Vorabveröffentlichung vom 10. September).
Göran Nilsson und Sara Östlund-Nilsson von der Universität in Oslo untersuchten eigentlich Kardinalfische im Großen Barrier-Riff, um deren Brutverhalten zu studieren. Dabei stellten sie fest, dass die Tiere auch bei ungewöhnlich niedrigem Sauerstoffgehalt im Wasser weder körperlich noch im Verhalten irgendwelche Veränderungen zeigten. Eine ähnliche gute Toleranz für Sauerstoffmangel fanden die Biologen auch bei anderen Riffbewohnern wie Meergrundeln, Schleimfischen, Brassen, Lippfischen, Feilenfischen und Anemonenfischen.
Obwohl das Meerwasser um die Korallenriffe herum nicht grundsätzlich sauerstoffarm ist, kommt den Fischen die Anpassung an geringe Sauerstoffmengen in bestimmten Situationen sehr zu gute. So müssen die Tiere beispielsweise in sauerstoffarmem Wasser ausharren, wenn sich auf den Riffen bei Ebbe kleine Tümpel bilden, die von der Wasserversorgung des Ozeans abgeschnitten sind. Auch ziehen sich die Fische häufig nachts ins Innere der Riffe zurück, um Räubern zu entgehen. Die Forscher vermuten, dass auch dort aufgrund schlechter Durchmischung des Wassers weniger Sauerstoff zur Verfügung steht.
Hier sei zum ersten Mal eine solch gute Anpassung an Sauerstoffmangel bei Bewohnern warmer Gewässer gefunden worden, schreibt Studienleiter Göran Nilsson. Sein nächstes Ziel ist es, die Mechanismen aufzuklären, die die Fische so widerstandsfähig machen. Wenn bekannt ist, wie das Gewebe der Tiere vor Schäden durch Sauerstoffmangel geschützt ist, ließen sich möglicherweise in Zukunft Schlaganfälle und Herzinfarkte beim Menschen vermeiden. Schließlich werden diese beiden häufigen Todesursachen ebenfalls durch Sauerstoffmangel in Gehirn und Herz verursacht.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





