Amerikanische Wissenschaftler haben eine Impfung gegen die Lungenkrankheit SARS erfolgreich an Mäusen getestet: Die Forscher spritzten den Tieren ein kleines Stück Erbmaterial des Krankheitserregers ins Muskelgewebe und konnten so einen Schutz gegen die Krankheit aufbauen. Damit haben die Wissenschaftler die erste Hürde für die Entwicklung einer wirksamen Schutzimpfung für den Menschen überwunden. Die Impfforscher um Gary Nabel vom Nationalen Institut für Allergien und infektiöse Krankheiten (NIAID) in Bethesda veröffentlichen ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature (Ausg. 428, S. 561).
Während die meisten Impfstoffe aus abgetöteten oder abgeschwächten Krankheitserregern bestehen, kann auch ein Stück des Erbguts von Viren oder Bakterien das Immunsystem aktivieren. Dazu wird diese Bauanleitung für Teile der Erreger ins Muskelgewebe gespritzt und von körpereigenen Zellen abgelesen. Das Immunsystem kann daraus eine geeignete Verteidigung gegen alle Eindringlinge entwickeln, die einen solchen Bestandteil besitzen. Der genetische Impfstoff von Nabel und seinen Kollegen besteht lediglich aus dem Bauplan für ein Eiweiß in der Virushülle, das dem SARS-Virus sein charakteristisches, kronenförmiges Aussehen verleiht. Es passt wie ein Schlüssel in ein Schloss auf der menschlichen Schleimhaut und hilft dem Virus auf diese Weise beim Entern der Wirtszellen. Nur dort kann sich das Virus vermehren und eine Erkrankung hervorrufen.
Mit diesem genetischen Impfstoff geimpfte Mäuse hatten nach einer Infektion mit dem Virus eine Million Mal weniger Erreger in der Lunge als ungeimpfte Tiere. Beide Arme des Immunsystems ? die Abwehrzellen und die Antikörper ? waren bei den geimpften Tieren aktiviert worden, stellten die Wissenschaftler fest. Tatsächlich sind für einen wirksamen und andauernden Schutz beide Systeme notwendig. Nur so kann der Körper eine Erinnerung an die Bestandteile der Krankheitserreger bewahren und ist jederzeit für einen Angriff gewappnet. Verantwortlich für den Schutz vor SARS seien jedoch die in großen Mengen gebildeten Antikörper, berichten die Forscher. Diese Eiweißmoleküle heften sich fest an ihr Ziel auf den Viren und blockieren deren Eindringen in die Zelle.
Ob die Impfung auch beim Menschen eine ähnlich starke Immunantwort hervorruft, wissen die Forscher noch nicht. Für Studien an Patienten müsse zunächst ein hoch gereinigter Impfstoff hergestellt werden. Eine versehentliche Infektion bei der Impfung sei jedoch ausgeschlossen, weil aus den Bruchstücken keine ganzen Viren entstehen können.
ddp/bdw ? Karin Otzelberger




