Seit 1963 gibt die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for the Conservation of Nature and Natural Resources) jährlich eine aktualisierte Version ihrer Roten Liste bedrohter Arten heraus. Darin erfasst sie in verschiedenen Kategorien, wie stark die einzelnen Tier- und Pflanzenarten derzeit gefährdet sind und welche von ihnen sogar bereits ausgestorben sind. Wie in den Vorjahren ist auch das aktuelle Update wieder voller schlechter Nachrichten für den Artenschutz, doch es gibt Ausnahmen.
Saigas am Rande des Aussterbens
Einer der großen Gewinner in der neuesten Roten Liste ist die in eurasischen Steppen heimische Saiga-Antilope (Saiga tatarica). Sie lebte bereits während der letzten Eiszeit hier, doch anders als Wollhaarmammut und Säbelzahnkatze hat sie auch den Sprung in die Moderne geschafft. Ihr charakteristisches Merkmal ist die aufgeblähte, buckelige Nase, die einen kurzen Rüssel formt. Dieser hilft im Winter dabei, die eisige Atemluft vor dem Eindringen in die Lunge aufzuwärmen. Im Sommer nutzen die Tiere ihre großflächige Nasenschleimhaut wiederum, um darin ihr Blut herunterzukühlen und sich so vor Überhitzung zu schützen. Saiga-Antilopen sind in Kasachstan, Russland, Turkmenistan und Usbekistan heimisch. In den dortigen Steppen spielen sie eine Schlüsselrolle, denn als selektive Grasfresser trimmen sie die Vegetation und verteilen mit ihrem Kot Nährstoffe, wodurch sie die biologische Vielfalt ihres Lebensraums fördern.
Doch wo einst Millionen von Saiga-Antilopen durch die Steppe zogen, waren in den frühen 2000er Jahren nur noch ein paar Zehntausend Exemplare übrig. Die Gründe für diesen Rückgang sind komplex, hängen aber wahrscheinlich mit dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion zusammen. Seitdem herrschte in der Region jahrzehntelang Wilderei in großem Stil, die sowohl auf das Fleisch der Saigas als auch auf ihre wertvollen Hörner abzielte. Denn diese gelten als wichtige Zutat traditioneller asiatischer Medizin. Hinzu kamen Straßen- und Siedlungsbau, die den Lebensraum der Tiere stark fragmentierten. All diese Faktoren führten schließlich dazu, dass die Saigas auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ geführt wurden.
Rückkehr in Rekordzeit
Doch mit dem neuesten Update der Roten Liste hat sich auch der Status der Saigas verändert. Sie gelten jetzt nicht mehr als vom Aussterben bedroht, sondern nur noch als „potenziell gefährdet“. Das ist ein großer Schritt, denn zwischen dieser und der bisherigen Kategorie liegen immerhin zwei weitere: „gefährdet“ und „stark gefährdet“. Dieser Kategoriensprung ist vor allem auf die Erholung der Antilopen-Bestände in Kasachstan zurückzuführen. Während dort im Jahr 2005 nur noch rund 39.000 Tiere lebten, sind es mittlerweile wieder über 1,9 Millionen. „Dies ist eine der erfolgreichsten Erholungen eines Landsäugetiers, die je verzeichnet wurden. Es zeigt, wie effektiv der Naturschutz sein kann, wenn alle Beteiligten mit einer starken Mission und ausreichenden Mitteln zusammenarbeiten“, sagt Vera Voronova, Geschäftsführerin der kasachischen Naturschutzorganisation ACBK.





