Der aufrechte Gang gilt als eines der prägenden Merkmale des Menschen und seiner direkten Vorfahren. Das Laufen auf zwei Beinen unterscheidet uns bis heute von unseren engsten Verwandten, den Schimpansen, die vorwiegend auf allen Vieren unterwegs sind. Doch bisher ist unklar, wann sich der aufrechte Gang bei unseren frühen Vorfahren entwickelt hat. Fossilien der Vormenschengattung Australopithecus belegen, dass die Füße dieser vor gut drei Millionen Jahren lebenden Vertreter der Homininen bereits klar an das zweibeinige Laufen angepasst waren – obwohl diese Vormenschen auch noch einen Teil ihrer Zeit auf den Bäumen verbrachten. Beinknochen von noch früheren Vormenschenformen wie Ardipithecus und dem vor rund sechs Millionen Jahren lebenden Orrorin legen nahe, dass auch sie zumindest ab und zu zweibeinig durch die Landschaft liefen. Damit rückt die Entwicklung des aufrechten Gangs schon relativ nahe an die Aufspaltung der Stammeslinien von Mensch und Schimpanse heran, die vor sieben bis acht Millionen Jahren stattfand.

Wie bewegte sich Sahelanthropus?
Noch näher kommen dem nun neue Indizien dafür, dass auch einer der frühesten bekannten Vertreter der Homininen, der Sahelanthropus tchadensis, schon aufrecht gehen konnte. Erste Fossilien dieses vor rund sieben Millionen Jahren lebenden Vormenschen wurden 2001 im Tschad entdeckt. Wissenschaftler bargen damals einen fast vollständigen Schädel, Kiefer und mehrere einzelne Zähne dieser Spezies. Schon damals lieferte die Lage des Hinterhauptslochs am Schädel erste Hinweise darauf, dass dieser Vormensch nicht auf vier Beinen lief, sondern meist eine aufrechte Körperhaltung einnahm. Die Öffnung, die den Kopf mit der Wirbelsäule verbindet, lag bei diesem Fossil relativ weit vorn und mittig unter dem Schädel, während sie bei vierbeinig laufenden Säugetieren typischerweise weiter hinten liegt. Ohne Fossilien von Beinen oder Füßen blieb es aber umstritten, ob der Sahelanthropus wirklich schon aufrecht lief oder vielleicht nur viel in aufrechter Haltung kletterte und hangelte.
Jetzt könnten weitere höchstwahrscheinlich vom Sahelanthropus stammende Fossilien das fehlende Puzzlestück geliefert haben. Es handelt sich um einen Oberschenkelknochen und zwei Ellen (Ulna) aus dem Unterarm von Sahelanthropus, die an der gleichen Fundstätte wie der Schädel gefunden worden waren, aber zunächst nicht zugeordnet werden konnten. Erst 2009 ergaben vergleichende Analysen, dass sie wahrscheinlich ebenfalls vom Sahelanthropus tchadensis stammen. Diese drei Knochen haben nun Guillaume Daver von der Universität von Poitiers in Frankreich und seine Kollegen gezielt auf Merkmale hin untersucht, die Auskunft über die Bewegungsweise dieses Vormenschen geben können.





