Entstanden sind die ersten Vertreter der Säugetiere schon im Jura-Zeitalter oder sogar noch früher. Doch über viele Jahrmillionen hinweg führten sie eher ein Schattendasein: Erst nachdem die nicht-vogelartigen Dinosaurier dem Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren zum Opfer gefallen waren, begann die große Karriere dieser Tiergruppe. Die Säugetiere eroberten die frei gewordenen Lebens-Nischen und fächerten sich in viele Gruppen und Arten mit einem breiten Spektrum an Körpermerkmalen und Verhaltensweisen auf. Bisher ging man dabei davon aus, dass die frühen Säugetiere Einzelgänger waren und sich soziale Lebensweisen erst nach dem Ende der Kreidezeit bei einigen Arten entwickelt haben.
Eine eher moderne Entwicklung?
Diese Annahme beruht darauf, dass die heute noch existierenden Vertreter urtümlicher Säuger nicht sozial leben und auch nur wenige Beuteltierarten Gruppenstrukturen ausbilden. Bei den als hochentwickelt geltenden Plazentatieren weisen hingegen rund 50 Prozent aller Arten eine soziale Lebensweise auf, die über die Zweisamkeit zur Fortpflanzung hinausgeht. So lag die Vermutung nahe, dass die Entwicklung des komplexeren Sozialverhaltens bei den Säugetieren mit der Ausbreitung dieser Untergruppe verbunden war. Doch aus der aktuellen Studie des Teams aus US-amerikanischen und chinesischen Paläontologen geht nun hervor, dass das Gruppenleben bei den Säugern entwicklungsgeschichtlich deutlich tiefer verwurzelt ist als gedacht.
Bei den Fossilien, über die sie berichten, handelt es sich um die Überreste von bisher unbekannten Vertretern aus der urtümlichen Säugetiergruppe der Multituberculata. Diese Nagetier-ähnlichen Kleintiere haben sich bereits im mittleren Jura entwickelt und überlebten sogar das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit – die letzten Vertreter verschwanden erst vor etwa 35 Millionen Jahren. Die neuen Fossilien sind den Datierungen zufolge etwa 75 Millionen Jahre alt. Sie stammen vom Fundort „Egg Mountain“ im Westen des US-Bundesstaats Montana. Dort wurden bereits zahlreiche Überreste von Dinosauriergelegen entdeckt. Es scheint somit klar, dass die Filikomys primaevus benannten Vertreter der Multituberculata sich den Lebensraum mit den Herrschern der Kreidezeit teilten.
Wie die Forscher berichten, fanden sie die Überreste von insgesamt 22 Exemplaren der etwa mausgroßen Tierchen. Aus den Untersuchungen ihrer Anatomie geht hervor, dass sie ausgesprochen kräftige Vordergliedmaßen besaßen. Vergleiche mit heutigen Tierarten legen nahe, dass es sich wohl um eine Anpassung ans Graben gehandelt hat – Filikomys primaevus lebte demnach vermutlich in unterirdischen Bauten. Das wirklich Besondere an den Funden war allerdings der Zusammenhang: Die Fossilien lagen gruppiert.





