Sie besitzen besonders hochentwickelte Gehirne und auch das cleverste aller Lebewesen haben die Säugetiere im Lauf der Evolution hervorgebracht: den Menschen. Die kognitiven Leistungen dieser Tiergruppe haben dabei mit dem Verhältnis von Hirngröße zu den Körperausmaßen zu tun. Dabei gilt die Regel: Je mehr Grips im Vergleich zur Masse, desto mehr Intelligenzleistung kann ein Lebewesen hervorbringen. Obwohl Elefanten ein viel größeres Hirn als Menschen besitzen, sind wir ihnen deshalb dennoch kognitiv überlegen. Grundsätzlich kann man sich allerdings die Frage stellen, warum nicht einfach alle Tiere immer größere Hirne entwickelt haben. Der Grund für die Zurückhaltung ist der enorme Energieverbrauch von Nervengewebe. Ein Zuwachs muss sich deshalb lohnen, was nicht immer der Fall ist. Denn für Tiere entstehen nur dann mehr Überlebens- und Fortpflanzungschancen, wenn der Nutzen durch mehr Intelligenz die Kosten der Investition übertrifft.
Die Nachfolger der Dinos im Visier
Offenbar war dies bei den Säugetieren recht häufig der Fall – es zeichnet sich ein entsprechender Trend in ihrer Entwicklungsgeschichte ab. Doch zum Verlauf der sogenannten Enzephalisierung gibt es noch immer offene Fragen. Vor allem klaffte bisher eine Lücke in einer entscheidenden Phase der „Karriere“ der Säugetiere: Es gab kaum Hinweise über die Hirnentwicklung aus der Zeit direkt nach dem Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren – als die überlebenden Säugetierarten begannen, die verlassenen ökologischen Nischen zu füllten, die zuvor die Dinosaurier besetzt hatten.
Um Einblicke in die Entwicklung in dieser Ära zu gewinnen, haben die Wissenschaftler um Steve Brusatte von der University of Edinburgh nun Fossilien von insgesamt 124 ausgestorbenen Arten untersucht, die von der Frühzeit der Säugetierentwicklung bis in die mittlere Erdneuzeit stammen. Ihre Studie war dabei besonders reich an Daten für den entscheidenden Zeitraum unmittelbar nach dem Ende der Kreidezeit. Im Rahmen der Untersuchungen erfassten die Wissenschaftler die Körpergrößen der Tiere und die Merkmale ihrer Gehirne. Neben der generellen Größe untersuchten sie mittels CT-Scan dabei auch Strukturen in den Schädeln, die Hinweise auf den Entwicklungszustand bestimmter Hirnbereiche liefen konnten.
Große Pioniere mit wenig Grips
Aus den Ergebnissen ging hervor, dass die Größe der Gehirne von Säugetieren im Vergleich zu ihrem Körpergewicht in den ersten zehn Millionen Jahren nach dem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren zunächst abgenommen hatte. Die Detailergebnisse der Scans deuten dabei auch darauf hin, dass sich diese Tiere eher stark auf ihren Geruchssinn verließen und dass ihr Sehvermögen und andere Sinne vergleichsweise wenig gut entwickelt waren, berichten die Wissenschaftler. Erst später kehrte sich der Trend dann um. Offenbar war es demnach zunächst wichtiger, groß zu sein als intelligent, um in der Zeit nach dem Massenaussterben Erfolg zu haben. Mit anderen Worten: “Die Säugetiere, die die Dinosaurier ablösten, waren zunächst ziemlich dumm“, bringt Seniorautor Brusatte das Ergebnis auf den Punkt.





