Im Norden wird es milder, im Süden wird es dafür heißer und trockener: In einigen Regionen der Erde verschiebt der menschengemachte Klimawandel die Bedingungen besonders schnell und deutlich. Es zeichnet sich bereits ab, dass einige Tierarten folgen – es gibt Rückzug, aber auch Vormarsch. Vor allem Richtung Norden können sich einige Arten ausbreiten, da dort im Zuge der Erwärmung neue Lebensmöglichkeiten für sie entstehen. “Tiere wie Elch und Biber dehnen ihre Verbreitungsgebiete momentan um zehn bis hunderte Kilometer pro Jahrhundert aus”, sagt Emil Karpinksi von der McMaster University in Hamilton.
Er und seine Kollegen haben sich nun mit einem Tier beschäftigt, das allerdings schon vor rund 11.000 Jahren die Bühne des Lebens verlassen hat. Im Zeitalter des Pleistozäns, das vor 2,5 Millionen begann, war das Amerikanische Mastodon neben dem Mammut ein weitverbreiteter Vertreter der Rüsseltiere in Nordamerika. Die bis zu neun Tonnen schweren Riesen ernährten sich im Gegensatz zum grasenden Mammut eher von Baum- und Buschvegetation. Sie überlebten erfolgreich die Klimakapriolen des Pleistozäns, die vor allem in den letzten 800.000 Jahren die Erde prägten. Dabei wurden die vorherrschenden Gletscherperioden von Warmphasen unterbrochen, in denen sich die Eisschilde stark zurückzogen. Warum das Mastodon vor rund 11.000 Jahren gemeinsam mit anderen Vertretern der eiszeitlichen Megafauna ausstarb, ist unklar. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass sie der Kombination aus klimatischen Veränderungen und der starken Bejagung durch den eingewanderten Menschen erlagen.
Klima-getriebener Rückzug und Vormarsch
Wie Karpinksi und seine Kollegen berichten, ist ein interessanter Aspekt beim Mastodon seine offenbar einst erstaunlich weite Verbreitung von Nord nach Süd: Überreste dieser Tiere wurden in Zentralmexiko entdeckt, aber auch im heutigen Alaska und dem Yukon. Es war allerdings bisher unklar, wann sie in diesen Bereichen vorkamen und welche Ausbreitungswellen es im Rahmen der Klima-Fluktuationen gegeben haben könnte. Zudem war bisher im Gegensatz zum Mammut wenig über das Erbgut des Mastodons bekannt. Um neue Einblicke zu gewinnen, haben Karpinski und seine Kollegen Proben von fossilen Knochen und Zähnen von 35 Mastodonten aus verschiedenen Bereichen ihres einstigen Verbreitungsgebiets Erbgut entlockt. Es gelang ihnen schließlich, die kompletten mitochondrialen Genome der Exemplare zu sequenzieren.
Wie die Forscher berichten, zeichneten sich in den genetischen Vergleichen fünf unterschiedliche Abstammungslinien bei den Mastodonten ab. Darunter waren zwei verschiedene bei den Tieren des hohen Nordens, die einst im Bereich der Landverbindung zwischen Sibirien und Alaska gelebt haben. Aus bestimmten Hinweisen im Erbgut waren auch Rückschlüsse darauf möglich, wann diese Linien entstanden sind. Demnach lebten die beiden Gruppen der Nord-Mastodonten nicht parallel, sondern entstammten zwei unterschiedlichen Ausbreitungsereignissen im Rahmen von verschiedenen Warmphasen. Dieses Ergebnis legt somit nahe, dass die Mastodonten vermutlich mehrmals aus ihren südlichen Verbreitungsgebieten in den Norden einwanderten, als sich dort für sie Lebensmöglichkeiten durch die Ausbreitung von Wald- und Buschlandschaften boten. „Die Daten lasen vermuten, dass es Hin- und Herbewegungen gab”, sagt Co-Autor Hendrik Poinar.





