Auslöser für psychische Krankheiten wie Schizophrenie
Ungeborene Babies, die bei einer medizinischen Behandlung oder während langen Flügen Röntgenstrahlen ausgesetzt sind, könnten in ihrem späteren Leben psychische Krankheiten – zum Beispiel Schizophrenie – davontragen, meinen Christoph Schmitz und seine Kollegen von der Universität in Aachen in der Zeitschrift New Scientist.
Die Wissenschaftler setzten trächtige Mäuse nach etwa einem Drittel ihrer Schwangerschaft radioaktiver Strahlung aus, deren Dosis zehnmal höher war als die humanmedizinischer Untersuchungen. Einen Tag nach der Bestrahlung wiesen die Föten kein geschädigtes Erbgut auf, und Schmitz vermutete, dass “die verletzten Zellen verloren oder repariert waren.” Dagegen zeigten sich bei einem Monat alten Mäusejungen geschädigtes Erbgut und bei den Sechsmonatigen hatten darüber hinaus die Gehirnzellen im Bereich des Hippokampus’ deutlich abgenommen. “Beim Menschen entspricht ein halbes Mäusejahr ungefähr dem zwanzigsten Lebensjahr, sagt Schmitz,” die Wirkung der Strahlung zeigt sich demnach erst verspätet.”
Schmitz vermutet, dass die Energielieferanten der Zelle, die Mitochondrien, im Anschluss an eine Bestrahlung immer weniger Energie liefern, die nötig wäre, um Schäden am Erbgut zu reparieren, und dass es dadurch zu einer verzögerten Antwort auf die radioaktive Bestrahlung käme. Er plant, nach der Geburt eines Menschen das Erbgut in den Zellen des Mutterkuchens zu untersuchen, um voraussagen zu können, ob später Schäden am Hippokampus im Gehirn auftreten könnten. In ihrer Veröffentlichung bemerkten die Forscher, dass bei einigen Kindern, die zur Zeit des Reaktorunglücks in Tschernobyl noch im Mutterleib waren, ein verkleinerter Hippokampus und Verhaltensstörungen beobachtet wurden.
Bettina Bandel





