Sie gelten als die größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher der Erde: In Moorgebieten wird die durch Pflanzen gebildete Biomasse kaum zersetzt, sondern in Form von Torf abgelagert. Dadurch wird der aus der Atmosphäre entnommene Kohlenstoff langfristig gebunden. Doch das gilt nur, solange der Torf mit Wasser bedeckt, und dadurch sauerstoffarm ist. Fällt er trocken, beginnen dagegen Mikroorganismen mit der Zersetzung der organischen Substanz und setzten dabei das Treibhausgas Kohlendioxid in die Atmosphäre frei. Dem Schutz der Moore und ihrer Erforschung wird deshalb eine große Bedeutung im Rahmen der Klimaschutzbemühungen zugesprochen.
Ein internationales Forscherteam richtet in diesem Zusammenhang nun den Blick auf das Kongobecken – eines der größten Flusssysteme der Erde. In weiten Teilen ist es von tropischen Wäldern geprägt, doch im zentralen Becken, der sogenannten Cuvette, herrschen Sumpfwälder vor. Durch die Analyse von Satellitenaufnahmen wurde in früheren Untersuchungen deutlich, dass sich dort der größte tropische Torflandkomplex der Welt befindet. Er erstreckt sich über 167.600 Quadratkilometer, das entspricht mehr als der vierfachen Fläche Baden-Württembergs. Schätzungen zufolge könnten dort rund 30 Milliarden Tonnen Kohlenstoff lagern – etwa 28 Prozent des tropischen Torf-Kohlenstoffbestands der Erde.
Ein gigantischer Kohlenstoffspeicher im Visier
„Über die Entstehung und Geschichte dieses Torfgebiets und damit auch dessen Kohlenstoffdynamik ist so gut wie nichts bekannt. Dieses Verständnis ist aber wichtig, um die Anfälligkeit dieses Ökosystems auf den Klimawandel zu ermitteln und Informationen zu liefern, wie sich Abholzung, Ölexploration und Landwirtschaft auswirken“, sagt Co-Autor Enno Schefuß vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften in Bremen. Für ihre Untersuchungen entnahmen die Wissenschaftler Torfproben aus dem Untergrund der abgelegenen Sumpfwälder. Durch Datierungen und Analysen der enthaltenen Pflanzenreste konnten sie Rückschlüsse darauf ziehen, wann die Bildung der Schichten begann und wie sich der Verlauf der Torfablagerung in den letzten Jahrtausenden entwickelte. Durch Isotopenanalysen sowie Untersuchungen von Wachsen aus den Blättern, die im Torf konserviert wurden, gewannen die Forscher zudem Hinweise auf die Niederschlagsmengen zu den jeweiligen Lebzeiten der Pflanzen.
Aus den Ergebnissen ging hervor, dass die Torfakkumulation vor mindestens 17.500 Jahren begann. Wie sich abzeichnete, verlief sie aber nicht in einer kontinuierlichen Weise bis heute: Im Intervall von vor 7500 bis 2000 Jahren haben sich kaum Torfschichten gebildet, stattdessen wurde sogar älteres Material zersetzt, ging aus den Analysen hervor. „Die Zersetzung hat sich also in den Torf hineingefressen“, so Schefuß. Die Forscher bezeichnen dies als das “Geisterintervall”. Der gleiche Befund zeigte sich an weit voneinander entfernten Probenahmestellen, was darauf hindeutet, dass das Phänomen damals die gesamte Moorregion im Kongobecken betraf.





