Enorme Ausdehnung
Dargie und ihre Kollegen haben nun in der zentralen Senke des Kongobeckens, der sogenannten Cuvette Centrale, nach Hinweisen auf Torf und ein tropisches Moor gesucht. In dieser Senke liegt das zweitgrößte Feuchtgebiet der Tropen, die Bäume des Regenwalds stehen in vielen Teilen das ganze Jahr hindurch im Wasser. Für ihre Studie entnahmen die Forscher an mehreren Stellen des ausgedehnten Feuchtgebiets Bohrproben aus dem nassen Untergrund. Dabei stießen sie zu ihrer eigenen Überraschung überall auf Torf. Die Torfschicht war durchschnittlich 2,40 Meter dick, an einigen Stellen reichte sie sogar 5,90 Meter in die Tiefe. Radiokarbon-Datierungen ergaben, dass sich unter dem überschwemmten Sumpfwald schon seit rund 10.600 Jahren Torf bildet – also während fast des gesamten Holozäns. Das sich in der Senke stauende Wasser und die ergiebigen Niederschläge in dieser Region sorgen offenbar dafür, dass der Boden ständig mit Wasser bedeckt ist und sich daher Torf statt Humus bildet, wie die Wissenschaftler berichten.
Die spannende Frage aber war nun, wie ausgedehnt dieses tropische Moor im Kongobecken ist. Um dies zu klären, untersuchten Dargie und ihre Kollegen zunächst, unter welchen Baumarten und Dschungeltypen ihre Torffunde lagen. Dadurch konnten sie zwei Dschungeltypen identifizieren, die offenbar eng mit dem unter ihnen liegenden Torfmoor assoziiert sind. Auf Basis dieses Wissens werteten die Forscher dann Fernerkundungsdaten von Satelliten aus und suchten gezielt nach diesen Baumgesellschaften im Kongobecken. Das überraschende Ergebnis: Die Moore machen rund 40 Prozent der Cuvette Centrale aus und knapp zehn Prozent des gesamten Kongobeckens. Insgesamt umfasst das Moorgebiet 145.000 Quadratkilometer – das ist mehr als die Fläche Englands. “Das ist eine kolossale Größe” sagt Koautor Simon Lewis von der University of Leeds. “Es handelt sich hier um das größte zusammenhängende Moorgebiet der Tropen.” Dass ein so riesiges Moor bisher verborgen bleiben konnte, sei absolut erstaunlich.
Weitgehend unberührt – noch
Rekordverdächtig ist aber nicht nur die schiere Größe des neuentdeckten Moores, sondern auch seine Bedeutung für den globalen Kohlenstoff-Haushalt. Wie die Forscher ausrechneten, sind im Torf des Cuvette Centrale Moores 30,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. “Das entspricht den Kohlendioxidemissionen der USA in den letzten 20 Jahren”, verdeutlicht Lewis. “Dieses Moorgebiet enthält fast ein Drittel des gesamten in tropischen Mooren gespeicherten Kohlenstoffs.” Noch sind diese Speicher weitgehend unangetastet und der Kohlenstoff bleibt dem Kohlenstoffkreislauf und damit auch der Atmosphäre entzogen. Doch das kann sich schnell ändern: “Moore sind nur dann ein Puffer im Kampf gegen den Klimawandel, wenn sie intakt bleiben”, sagt Lewis. “Wenn der Moorkomplex im Kongobecken aber zerstört wird, könnte dies Milliarden Tonnen CO2 in unsere Atmosphäre freisetzen.”





