Der Rotaugenlaubfrosch trifft schon als Embryo eine Entscheidung über Leben und Tod: Erkennt er an dem typischen Vibrationsmuster, dass sich eine Schlange an den Laichballen zu schaffen macht, schlüpft er aus und bringt sich so in Sicherheit. Wird der Laich jedoch durch Regentropfen geschüttelt, bleiben die Froschembryonen in den Eiern.
Die Weibchen des aus Mittelamerika stammenden Rotaugenlaubfroschs (Agalynchis callidryas) hängen ihre Laichklumpen an ein Blatt über dem Wasser. Wenn Schlangen wie die Brasilianische Schlanknatter (Leptophis ahaetulla) oder die grüne Nachtbaumnatter (Boiga cyanea) in den Laich beißen und einige Eier aus dem Gelege ziehen, beginnen die Laichklumpen zu wackeln. Dies erkennen die Froschembryonen und schlüpfen aus den Eiern, fallen ins Wasser und bringen sich so in Sicherheit. So verlegen sie ihren eigentlichen Schlüpftermin um bis zu drei Tage. Vibriert der Laichballen jedoch aufgrund fallender Regentropfen, bleiben die Froschembryonen in ihren Eiern.
Entscheidend für die Erkennung ist das spezielle zeitliche Vibrationsmuster des Schlangenbisses. Diese dauerten an als Regentropfen, erklärt Warkentin, und zwischen den einzelnen Bissen vergehe ebenfalls mehr Zeit als zwischen zwei fallenden Regentropfen. “Die Experimente schließen zwar nicht aus, dass die Froschembryonen auch andere Signale für das frühzeitige Schlüpfen verwenden”, sagt Warkentin. Doch schon allein aufgrund Unterschiede im zeitlichen Vibrationsmuster können die jungen Frösche abschätzen, wie gefährlich eine Störung sei.
Karen Warkentin ( Universität in Boston): Animal Behaviour, Juli-Ausgabe
ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi





