Unsere Haare sind nichts anderes als Verhornungen der äußersten Hautschicht und auch bei Vogelfedern handelt es sich um spezialisierte Hautstrukturen. Solche Hautanhängsel bringen viele Vorteile: Sie schützen vor Kälte, dienen der Tarnung und der Kommunikation mit Artgenossen und ermöglichen bei Vögeln sogar das Fliegen. Doch wahrscheinlich waren es weder die Vögel noch die Säugetiere, die die Hautanhänge „erfunden“ haben, sondern ein gemeinsamer Vorfahre, der vor über 300 Millionen Jahren lebte und den diese beiden Gruppen mit den Reptilien teilen. Direkte Fossilien dieses Urahns gibt es zwar bisher nicht, doch ein Fund aus Frankreich liefert nun erstmals konkrete Hinweise darauf, dass komplexe Hautanhänge schon bei frühen Reptilien existierten.

Ein Wunderreptil mit Rückenkamm
Es handelt sich dabei um das kleine baumbewohnende Reptil „Mirasaura grauvogeli“, das in der mittleren Trias vor 247 Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Südfrankreichs lebte. Seine fossilen Überreste wurden zwar bereits in den 1930er Jahren im Elsass entdeckt, aber erst jetzt von Paläontologen um Stephan Spiekman vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart genauer untersucht. Dabei zeigte sich: Mirasaura, was übersetzt so viel wie „Wunderreptil“ bedeutet, besaß überraschenderweise einen Rückenkamm aus federähnlichen Strukturen.
Diese Hautfortsätze waren fein gegliedert und bestanden aus mindestens 16 dicht überlappenden Elementen, die jeweils eine federähnliche Kontur mit einem schmalen Mittelgrat aufwiesen. Mit einer Länge von fünf bis 50 Millimetern erreichten die „Federn“ außerdem überraschende Ausmaße. Die größten von ihnen machten mehr als ein Drittel der Körperlänge von Mirasaura aus. Doch wozu hatte das Reptil diesen auffälligen Rückenkamm? Wie das Team vermutet, könnten die Hautfortsätze dazu gedient haben, Artgenossen zu beeindrucken oder Rivalen abzuschrecken. Möglicherweise war der Rückenkamm sogar bunt gefärbt und erfüllte eine Signalfunktion im Triaswald.
Kein Vogel, kein Dinosaurier – und trotzdem „Federn“
Wie die Paläontologen berichten, gehörte das frühe Reptil zur ausgestorbenen Gruppe der Drepanosaurier. Dabei handelte es sich um Baumbewohner mit Greifschwanz, großen Augen und geschickten Händen, mit denen sie sich wie Affen an Ästen festhalten konnten. Mirasaura besaß zudem einen vogelähnlichen Schädel mit schmaler, weitgehend zahnloser Schnauze, mit der er wahrscheinlich Insekten aus engen Baumhöhlen angeln konnte. Obwohl Mirasaura nicht mit den Dinosauriern verwandt ist und somit nicht zur Linie der Vögel gehört, zeigen seine Hautfortsätze dennoch einige überraschende Parallelen zu modernen Federn.





