Ähnlich wie im Nordpolarmeer schwankt die Ausdehnung des Meereis rund um den antarktischen Kontinent im Jahresverlauf. Auf der Südhalbkugel liegt der Höhepunkt der Eisschmelze dabei im Januar und Februar – während des Südsommers. Die saisonalen Schwankungen sind dabei jedoch deutlich stärker als im hohen Norden: Weil das antarktische Meereis insgesamt dünner ist, taut es an einigen Stellen im Sommer komplett ab, wächst dann aber in den sehr kalten Wintern schnell wieder nach. Insgesamt schwankt die Meereisfläche rund um die Antarktis dadurch zwischen einem winterlichen Maximalwert von rund 18 bis 20 Millionen Quadratkilometer und einem Minimalwert von rund drei Millionen Quadratkilometer am Ende des Südsommers.
Sommerlicher Rekord-Tiefstand
Trotz dieser großen saisonalen Schwankungen schien das antarktische Meereis aber lange Zeit nur wenig vom Klimawandel betroffen. Erst in den letzten Jahren hat sich dies geändert. Schon Anfang 2022 schrumpfte die Meereisfläche auf ein Rekordminimum von nur noch 2,27 Millionen Quadratkilometer. Doch in diesem Jahr hat sich die Meereisfläche noch einmal verringert: „Am 8. Februar 2023 wurde mit einer Ausdehnung von 2,20 Millionen Quadratkilometern das bisherige Rekordminimum aus dem Jahr 2022 bereits unterschritten”, berichtet der Meereisphysiker Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).
Damit hat das antarktische Meereis einen historischen Tiefstand erreicht. Eine so geringe Fläche wurde seit Beginn der Satellitenmessungen vor rund 40 Jahren noch nie gemessen – und sie könnte noch weiter zurückgehen: “Da die Meereisschmelze in der Antarktis voraussichtlich bis in die zweite Februarhälfte weiter andauert, können wir heute noch nicht sagen, wann der neue Negativrekord erreicht sein wird und wie viel Meereis bis dahin noch zusätzlich schmilzt“, sagt Haas. Der starke Rückgang des Meereises zeichnete sich bereits im Dezember 2022 ab und seitdem hat sich der Trend weiter fortgesetzt.
Rasante Abnahme erst in den letzten Jahren
Besonders ausgeprägt ist die Eisschmelze im westantarktischen Bellingshausen- und im Amundsenmeer, das Bellingshausenmeer ist nahezu eisfrei. Dort befindet sich derzeit auch das Forschungsschiff Polarstern, um nach Spuren vergangener Eis- und Warmzeiten zu forschen. „Eine solche extreme eisfreie Situation habe ich hier zuvor noch nicht erlebt. Der Kontinentalschelf, der immerhin die Größe Deutschlands hat, ist vollständig eisfrei”, berichtet Expeditionsleiter und AWI-Geophysiker Karsten Gohl. “Für die Forschungsarbeiten auf dem Schiff sind diese Bedingungen natürlich von Vorteil, aber es gibt einem zu denken, dass diese Änderung in so kurzer Zeit geschehen ist.”





