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Reißt die Erdkruste unter dem Süden Afrikas auf?
Erde & Umwelt

Reißt die Erdkruste unter dem Süden Afrikas auf?

Unter diesem Flusssystem in Sambia könnte eine neue Plattengrenze entstehen. · Foto: Neil Aldridge/ iStock

Unter dem Südosten Afrikas könnte eine neue Plattengrenze entstehen – ein tiefer Bruch in der Erdkruste. Hinweise darauf haben Geologen bei der Analyse von heißen Quellen in Sambia gefunden. Die in den Flüssigkeiten detektierten Isotope legen nahe, dass der sich bildende Rift schon bis in den Erdmantel hinunterreicht. Langfristig könnte dadurch im südöstlichen Afrika ein neuer Grabenbruch entstehen – vielleicht sogar ein abgetrennter Kontinentteil, wie das Team berichtet.
Autor
Redaktion
12. Mai 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Durch Afrika zieht sich ein gewaltiger Bruch: Der Ostafrikanische Graben erstreckt sich tausende Kilometer von der äthiopischen Afar-Senke im Norden bis nach Mosambik im Süden. Das tief eingekerbte, von unzähligen Vulkanen gesäumte Rift-Tal verrät, dass der afrikanische Kontinent an dieser Stelle allmählich auseinanderbricht. In ferner Zukunft könnte dort vielleicht sogar ein neues Meer entstehen – ähnlich wie vor Millionen Jahren beim Roten Meer.

Karte des südlichen Afrika
Die potenzielle Riftzone verläuft von Tansania über Sambia bis nach Namibia. © PeterHermesFurian/ iStock

Ein Riss von Tansania bis Namibia

Doch Ostafrika ist nicht die einzige Region Afrikas, in der die Erdkruste aufbricht: Geologen um Ruta Karolyte von der University of Oxford haben Indizien dafür entdeckt, dass auch im Süden des Kontinents ein neuer Rift entsteht. Den Anstoß für ihre Studie gab eine rund 2500 Kilometer lange topografische Zone, die sich von Tansania bis nach Namibia erstreckt. Sie fällt schon länger durch eine Häufung von Verwerfungen, heißen Quellen und geothermischen Anomalien auf – möglichen Symptomen eines Rifts.

Um dies zu überprüfen, haben Karolyte und ihr Team einen in Sambia gelegenen Teil dieser potenziellen Riftzone näher untersucht. Dafür entnahmen sie Flüssigkeitsproben aus sechs geothermischen Quellen in diesem sogenannten Kafue Rift und untersuchten die Isotopenverhältnisse des darin enthaltenen Heliums und Kohlenstoffs. Diese Werte verglichen sie mit denen von zwei geothermischen Quellen außerhalb der Kafue-Zone und mit Werten aus dem Ostafrikanischen Grabenbruch.

Aufgebrochen bis in den Erdmantel

Die Analysen enthüllten: Die Proben aus der potenziellen Riftzone in Sambia enthalten erhöhte Werte des Helium-Isotops 4He und auch Auffälligkeiten in den Kohlenstoff-Isotopen. In den beiden Kontrollproben zeigte sich dies hingegen nicht. „Die Helium-Isotopen-Signaturen deuten darauf hin, dass die heißen Quellen im Kafue-Rift eine direkte Verbindung mit dem Erdmantel haben“, erklärt Co-Autor Mike Daly von der University of Oxford. Dafür sprechen auch Übereinstimmungen in den Helium- und Kohlenstoffwerten mit jüngeren Bereichen des Ostafrikanischen Grabenbruchs.

Demnach könnte die Erdkruste im Süden Afrikas schon bis in den Erdmantel hinein aufgerissen sein. Nach Ansicht der Geologen spricht dies dafür, dass die afrikanische Erdplatte entlang der potenziellen Riftzone auseinanderzubrechen beginnt. “Die Fluid-Verbindung belegt, dass die Verwerfungen des Kafue-Rifts aktiv sind und damit auch die Südwest-Afrikanische Riftzone“, sagt Daly. „Dies könnte ein frühes Anzeichen eines Bruchs im subsaharischen Afrika sein.“

Entsteht ein neuer Kontinentbruch?

Doch was bedeutet dies für die tektonische Zukunft des afrikanischen Kontinents? Verliert er seine südliche Spitze? Nicht unbedingt: „Ein Rift kann zu einer Plattengrenze werden“, erklärt Karolyte. „Aber häufig stoppt die Aktivität einer Riftzone, bevor die Lithosphäre komplett aufgebrochen ist und die Plattengrenze entsteht.“ Beim Ostafrikanischen Grabenbruch beispielsweise bewegen sich die beiden Ränder nur sehr langsam auseinander, weil sie von benachbarten mittelozeanischen Rücken Gegendruck bekommen.

“Beim Südwest-Afrikanischen Riftsystem könnte dies aber anders sein“, erklärt Daly. „Denn es weist alle Merkmale einer Riftzone und einer geschwächten Kruste auf, liegt aber in Bezug auf die umgebenden mittelozeanischen Rücken günstiger. Dadurch könnte es dort eine niedrigere Schwelle für einen Kontinentbruch geben.“

Allerdings betonen die Forschenden auch, dass noch weitere Untersuchungen nötig sind, um diese neue Bruchzone eindeutig nachzuweisen. „Unsere Studie basiert auf nur einem kleinen Abschnitt des Südwest-Afrikanischen Rifts, der tausende Kilometer lang ist“, sagt Daly. Das Team arbeitet bereits an einer umfangreicheren Studie, die noch in diesem Jahr abgeschlossen sein soll.

Quelle: Ruta Karolyte (University of Oxford) et al., Frontiers in Earth Science, 2026; doi: 10.3389/feart.2026.1799564

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