In einem ersten Experiment betrachtete jeder Proband Worte, die nacheinander auf einem Computerbildschirm erschienen. Anschließend mussten die Teilnehmer entweder an ihr Zuhause denken, in dem sie noch am Morgen gewesen waren, oder an ihr Elternhaus, das sie bereits seit mehreren Wochen nicht betreten hatten. Dann zeigten die Psychologen ihnen eine zweite Wortliste. Am Ende des Tests sollten die Probanden möglichst viele der Worte von beiden Listen wiedergeben. Ergebnis: Die Teilnehmer, die ihre Gedanken in das zeitlich weiter entfernte Elternhaus gelenkt hatten, erinnerten sich an weniger Begriffe.
Ein weiterer Test zielte auf die räumliche Erinnerung ab: Eine Gruppe dachte zwischen dem Lernen zweier Wortlisten an einen Urlaub im eigenen Land, eine andere rief sich Erinnerungen an einen Übersee-Urlaub ins Gedächtnis zurück. Erneut schnitten die Probanden, die sich räumlich ? und somit offensichtlich auch gedanklich ? weiter entfernt hatten, deutlich schlechter ab. Dies betrachten die Wissenschaftler als Beleg für den Einfluss, den Tagträume auf Prozesse des Verdrängens und Vergessens haben.
Wer beispielsweise kurz vor einer wichtigen Prüfung steht und den Gedanken an einen zurückliegenden misslungenen Test aus seinem Kopf verbannen möchte, sollte an ein zeitlich und räumlich weit entferntes Ereignis denken, empfehlen die Psychologen. “Auf diese Weise kann man sich für eine Weile so fühlen, als ob man sich gerade in einer anderen Situation befindet”, erklärt Delaney.





